Getöteter Journalist Khashoggi Weitere Hinweise auf Verwicklung von Kronprinz bin Salman

Täter und Opfer auf einem Bild? Auf einer Gedenkveranstaltung für den ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul

(Foto: AFP)
  • Ein Mitglied des Tötungskommandos im Fall Khashoggi soll kurz nach der Tat mit einem Vorgesetzten telefoniert haben, berichtet die New York Times. Er solle "seinem Chef" Bescheid sagen.
  • Amerikanische Geheimdienstler gehen davon aus, dass der saudische Kronprinz bin Salman dieser "Chef" ist.
  • Die Mitglieder des Kommandos hatten laut einer türkischen Zeitung Spritzen, Defibrillatoren, Funkgeräte, Tacker, Scheren und einen Störsender im Gepäck.

Die Hinweise verdichten sich, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman in den Fall des getöteten Journalisten und Regimekritikers Jamal Khashoggi verwickelt ist. Ein Mitglied des Kommandos, das Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul umgebracht habe, habe kurz nach der Tat Anfang Oktober mit einem Vorgesetzten telefoniert, meldet die New York Times.

Der Mann habe laut Geheimdienstquellen mit einem Mitarbeiter des Kronprinzen telefoniert und ihm gesagt, er möge "seinem Chef" Bescheid geben, dass der Auftrag ausgeführt wurde. "Die Tat ist vollbracht." Der frühere CIA-Mitarbeiter Bruce O. Riedel sagte der New York Times: "Ein Anruf wie dieser ist so nahe an einem handfesten Beweis, wie er nur sein kann."

Nach Einschätzung der New York Times werde mit dem belastenden Material gegen bin Salman der Druck auf das Weiße Haus zunehmen, gegen Riad vorzugehen. Nach dem Verlust der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus bei den Parlamentswahlen vorige Woche wird nun ein Politiker der Demokraten dort den Vorsitz im Geheimdienstausschuss übernehmen.

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Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, widersprach am Rande einer Konferenz in Singapur dem Schluss, die Aufnahme weise auf bin Salman hin. Demnach sagen Menschen, die die Aufnahme gehört haben, dass sie nicht auf eine Verbindung zu bin Salman hindeute.

Derweil hat die türkische Zeitung Sabah Bilder veröffentlicht, die angeblich den Inhalt der Koffer des Tötungskommandos zeigen. Demnach hatten die Männer Spritzen, Defibrillatoren, Funkgeräte, Tacker, Scheren und einen Störsender bei der Einreise in die Türkei im Gepäck. Auch zehn Telefone sollen in den Koffern gewesen sein.

Khashoggi, ein Kritiker bin Salmans, hatte am 2. Oktober das Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul betreten, um Dokumente für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Er tauchte nie wieder auf. Saudi-Arabien bestritt lange, mit seinem Verschwinden etwas zu tun zu haben. Auf internationalen Druck gab Riad eine offizielle Erklärung heraus, wonach es zwischen Khashoggi und mehreren Personen zu einer Schlägerei mit tödlichem Ausgang gekommen sei.

Nach türkischen Angaben ist Khashoggi im Konsulat von einem extra aus dem Königreich angereisten Kommando erwürgt worden. Anschließend soll seine Leiche zerteilt und in Säure aufgelöst worden sein.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte am Samstag in Ankara erstmals offiziell die Existenz von Tonaufnahmen der Ermordung Khashoggis bestätigt. Diese habe man mit einer Reihe von Ländern, darunter Deutschland und den USA, geteilt.

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Die Aufnahmen gingen mehreren Ländern zu, darunter auch Deutschland. Darauf soll der Hergang der Tötung des saudischen Journalisten dokumentiert sein.