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Gesundheitsreform in den USA:Trump-Staaten profitieren eigentlich von Obamacare

Das mag so sein. Allerdings denken längst nicht alle Bewohner des Bundesstaates so. West Virginia ist einer der konservativsten Staaten der USA. Bei der Präsidentschaftswahl im November siegte der Republikaner Trump hier mit satten 69 Prozent der Stimmen. Trump verdankte seinen Sieg einem populistischen Wahlkampf, in dem er den Leuten versprach, dass die stillgelegten Kohlegruben bald wieder aufgemacht, die Stahlwerke wieder angeheizt würden. Das kam gut an in den zerrütteten Bergbau-Städtchen - jedenfalls viel besser als das Versprechen der Demokratin Hillary Clinton, man werde durch die Förderung grüner Energie "sehr viele Kohlekumpel arbeitslos machen".

Aber Trump versprach auch offen, dass er das "Desaster Obamacare" beenden und die Gesundheitsreform zurückdrehen werde. Die Republikaner versuchen das seit Jahren, im Parlament haben sie einige Dutzend Mal für die Abschaffung von Obamacare gestimmt. Doch immer scheiterten sie am Widerstand der Demokraten oder am Veto von Präsident Obama. Diesmal scheiterten sie an sich selbst.

Mina Schultz und Stacy North können sich nicht erklären, warum so viele Menschen in West Virginia, deren Gesundheit oder Leben von Obamacare abhängt, einen Kandidaten gewählt haben, der die Abwicklung dieser Reform propagiert. Dieses Phänomen war auch nicht auf West Virginia beschränkt - auch in Kentucky, Ohio, Wisconsin oder Pennsylvania, wo Trump gewonnen hat, profitieren Millionen Menschen von Obamacare.

"Vielleicht haben die Leute Trump einfach nicht ernst genommen. Vielleicht haben sie auch seinem Versprechen vertraut, etwas Neues zu schaffen, das allen Amerikanern eine Versicherung gibt", sagt Schultz. Die Sozialarbeiterin North sagt: "Ich glaube, viele Leute machen sich überhaupt nicht klar, was passieren wird, wenn Obamacare kippt. Sie hören nur das Wort ,Obama', und dann sind sie dagegen."

Solidarisches System stößt auf Ablehnung

Zudem wurde Obamacare von einigen Problemen geplagt. Vor allem ältere, kranke Menschen kauften sich eine subventionierte Versicherung, das verteuerte die Prämien für alle Versicherten. "Die Amerikaner mögen es einfach nicht, dafür bezahlen zu müssen, dass andere Leute eine Krankenversicherung haben", sagt Stacy North. "Im Grunde geht es um die Frage, ob eine Krankenversicherung ein Recht für alle ist oder ein Privileg für die, die es sich leisten können. Keine Versicherung funktioniert ohne Solidarität. Das Risiko wird auf viele Menschen verteilt. Niemand ist dagegen, dass das bei der Autoversicherung so gemacht wird. Aber bei der Krankenversicherung sind alle dagegen."

North weiß, wovon sie redet. Ihr eigener Sohn Derek, der in einer Bar jobbt, lebt lieber ohne Versicherung, als jeden Monat einen Hunderter für die Prämie auszugeben. "Er ist jung und hält sich für unverwundbar, und wenn er krank ist, geht er halt in die Notaufnahme. Da müssen sie ihn behandeln. Dass das auch Geld kostet, das dann die Allgemeinheit bezahlen muss, ist ihm egal."

Für einen großen politischen Fehler halten Experten Obamas Entscheidung, die Einkommensobergrenze, von der an keine Prämienzuschüsse mehr bezahlt werden, bei 47 000 Dollar für Einzelpersonen zu ziehen. Dadurch seien wichtige Teile der Mittelschicht von Obamacare ausgeschlossen worden, sagt Simon Haeder, Professor an der West Virginia University und Fachmann für Gesundheitspolitik. Aus Sicht dieser Leute, die 50 000 oder 55 000 Dollar verdienen, aber deswegen noch lange nicht reich sind, war Obamacare vor allem eine weitere Sozialleistung für Menschen, die nicht für sich selbst sorgen können. Eine höhere Obergrenze hätte vielen Menschen - darunter vielen Trump-Wählern - Zugang zu Obamacare gegeben und damit ein politisches Interesse, dass die Reform bestehen bleibt.

Mina Schultz kann als ehemalige Krebspatientin kein Risiko eingehen. Sie braucht eine verlässliche Krankenversicherung, deswegen hat sie sich einen neuen Job gesucht, bei dem der Arbeitgeber sie versichert. Das schaffen nicht viele in West Virginia. Obamacare, die Versicherung, die ihr vor sechs Jahren das Leben rettete, ist Schultz zu unsicher geworden. Obamacare aber jetzt erstmal bleiben.

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