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Gesundheitspolitik:Kranke Kinder besser behandeln

Fallpauschalen nur für Erwachsene: Die SPD will mehr Geld für Kinderkliniken.

Von Mike Skymanski, Berlin

Die SPD will die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland verbessern und dazu auch das System der Fallpauschalen kippen. Am Dienstag hat Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) eine entsprechende Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht. Sie soll am 18. September in der Länderkammer besprochen werden. Im Laufe des Tages haben die SPD-Partei- und Fraktionsspitze in Berlin mit einem ähnlich lautenden Forderungskatalog die Initiative flankiert.

"Es muss wieder mehr Gewicht auf die Kinder- und Jugendmedizin gelegt werden", sagte Schwesig nach einer Sitzung ihres Kabinetts in Schwerin. Kinder seien keine kleinen Erwachsenen, ihre Behandlung benötige wesentlich mehr Zeit. Kranke Kinder erforderten einen etwa 30 Prozent höheren Personalaufwand. Dies müsse etwa bei der Finanzierung der Krankenhäuser stärker berücksichtigt werden. Das System der Fallpauschalen habe sich Schwesig zufolge in der Kinder- und Jugendmedizin nicht bewährt. Gerade im ländlichen Raum stünden die Kinderstationen der Krankenhäuser unter Druck.

Konkret fordert die SPD, 390 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket zur Bewältigung der Corona-Krise in die Kinder- und Jugendmedizin zu investieren. Es geht um Geld, das speziell für Krankenhäuser vorgesehen ist. Die Co-Vorsitzende der SPD, Saskia Esken, Vorstandsmitglied Katja Pähle und Bärbel Bas, stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag, machten in einem Positionspapier ebenfalls deutlich, dass für Kinder zu wenig Geld ausgegeben werde. "Wir müssen in der Kinder- und Jugendmedizin weg von Fallpauschalen!", heißt es in dem Papier. Stattdessen müsse ein System der "Grundfinanzierung" für die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte und -psychiater, die Sozialpädiatrischen Zentren und die Kinder- und Jugendkliniken entwickelt werden. Hinzu käme eine Vergütung, die sich nach der individuellen Behandlung richten müsse. "An vielen Orten im ländlichen Raum beklagen Klinikbetreiber, dass eine Kinderklinik sich wegen zu geringer Fallzahlen, eines hohen Personalaufwands und aufgrund des Refinanzierungssystems nach Fallpauschalen 'nicht rechnet'", schreiben die Verfasser weiter. Angebote würden daher bereits ausgedünnt. Der Kostendruck dürfe jedoch nicht an die jungen Patienten weitergegeben werden. Auch im ambulanten Bereich sei bereits "ein besorgniserregender Rückgang der Kinderarztpraxen und der Praxen für Kinder- und Jugendpsychiatrie zu beobachten". Dort gehörten die Fallpauschalen ebenfalls abgeschafft oder "zumindest sehr grundlegend" reformiert.

© SZ vom 29.07.2020

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