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Gesundheit:Mehr Aufwand, weniger Geld

Mutter-Vater-Kind-Kliniken fordern einen Ausgleich für das Defizit, das ihnen Covid-19 beschert hat.

Von Edeltraud Rattenhuber

Anfang April mussten die Mutter-Vater-Kind-Kliniken (MVKK) kämpfen, damit sie wie alle anderen Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen unter den Corona-Rettungsschirm der Bundesregierung kommen. Der mittlerweile verstorbene ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) hatte sich in einer seiner letzten Taten noch für sie eingesetzt und in einem "SOS-Brief" vor einer Insolvenz der Einrichtungen gewarnt. "Das wäre ein schwerer Verlust für den Sozialstaat", hatte Blüm geschrieben. In erster Linie aufgrund seines Einsatzes wurden die Kliniken in die "Covid-19-Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung" aufgenommen. Die Freude war groß bei den Klinikbetreibern. Doch es droht neues Ungemach.

Zugelassen ist nur eine Höchstzahl an Kindern. Das schafft Probleme

Dieses Mal geht es um die Erstattung der erheblichen Mehrkosten, die der notwendige Infektionsschutz und die Beachtung von Abstandsregelungen erfordert. Das ist für die MVKK bisher nicht geregelt. "Wir hatten gehofft, dass mit dem neuen Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz wenigstens eine Diskussion angestoßen wird", sagt Anne Schilling, die Bundesgeschäftsführerin des Müttergenesungswerks/Elly-Heuss-Knapp-Stiftung. "Doch leider bewegt sich nichts." Dabei brauchten die Kliniken dringend einen Ausgleich für den deutlichen Mehraufwand. Der Druck in den MVKK sei enorm, sagt Schilling. Viele seien erst rentabel, wenn sie zu 90 Prozent belegt seien.

Der Großteil der MVKK hat inzwischen wieder geöffnet, in den meisten Bundesländern dürfen sie aber nicht voll belegt werden. Auch ist in manchen Kliniken nur eine Höchstzahl von zehn Kindern zugelassen, was Mütter oder Väter, die ohne die Kinder nicht auf Kur fahren können oder wollen, vor zusätzliche Probleme stellt. Frank Roschewsky, der als Geschäftsführer der Rehasan-Kliniken wie Schilling für die MVKK kämpft, beklagt, dass wegen der vorgeschriebenen Minderbelegung die große Nachfrage nach Kuren nicht aufgefangen werden könne. Für Patientinnen und Patienten bedeute das mehrmonatige Wartezeiten, die den Druck, unter dem sie - auch Corona-bedingt - stünden, nur noch steigen lasse.

© SZ vom 15.07.2020

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