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Gestik und Mimik von Barack Obama:Das Geheimnis des Messias

Kaum ein Politiker hat so ein positives Image wie Barack Obama. Der US-Präsident ist ein Profi der Gestik und Mimik. Eine Analyse in Bildern. Von Barbara Vorsamer

17 Bilder

Barack Obama Gestik Mimik Körpersprache

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Hier sind Barack Obama seine Gesichtszüge entglitten - das passiert ihm selten. Unter den fast 30.000 Obama-Bildern der Nachrichtenagentur AP sind solche Szenen eine absolute Rarität.

Der neue US-Präsident hat seine Mimik fast immer unter Kontrolle, ...

Foto: AP

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... ohne dabei jedoch kontrolliert zu wirken. Einer seiner typischen Gesichtsausdrücke ist das breite Lächeln. Wirkungsexpertin Monika Matschnig erklärt: "Barack Obama hat ein auffällig offenes Lächeln, das niemals aufgesetzt wirkt, weil er in der Lage ist, es in den Augen beginnen zu lassen. Wer nur die Mundwinkel auseinander zieht, wirkt nicht authentisch."

Doch wie schafft es Obama, auf Knopfdruck die Augen lächeln zu lassen? "Das geht nur über Mentaltraining. Vermutlich kann sich Barack Obama binnen Sekunden innerlich auf gute Laune konditionieren."

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Der häufigste Gesichtsausdruck Obamas ist dem Fotopsychologen Martin Schuster zufolge das "Mundoffen-Gesicht": "Der enspannt-ernste, leicht geöffnete Mund suggeriert eine freundliche Stimmung. Der leicht geneigte Kopf zeigt seine intim-freundliche Haltung gegenüber den Zuhörern."

Doch natürlich hat ...

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... Barack Obama auch einen ernsten Gesichtsausdruck im Repertoire. Auf diesem Bild zum Beispiel wirkt der US-Präsident hochkonzentriert und fokussiert. Dass er die Lippen aufeinanderpresst, deutet laut Monika Matschnig darauf hin, dass er sich in einer Diskussion befindet: "Er hört gerade seinem Gegner zu und wappnet sich für den Kampf", spekuliert die Psychologin.

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Bei all seinen Gesichtsausdrücken kommt dem Politiker zugute, dass er eine stark ausgeprägte Nasolabialfalte hat. Das ist die Falte, die sich von den Nasenflügeln über die Mundwinkel zum Kinn zieht. "Sie symbolisiert Empathie", erklärt Matschnig, "erweckt also den Eindruck, dass die Person uns und unsere Probleme versteht."

Ein weiteres Plus, das Obama in die Wiege gelegt wurde, ...

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... ist seine Hautfarbe. Psychologie-Professor Martin Schuster erklärt: "Fotografen arbeiten mit dem Lichteinfall. Ein starkes seitliches Licht teilt das Gesicht von Obama in helle und dunkle Bereiche: Fast weiße und fast schwarze Hautpartien führen dazu, dass sich weiße wie schwarze Wähler unbewusst mit ihm identifizieren."

Training wiederum ...

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... ist vermutlich die Ursache für Barack Obamas perfekten Einsatz von Gesten. "Seine Arme sind fast immer im idealen Körperbereich zwischen Schultern und Hüfte", beschreibt Körperspracheexpertin Matschnig. "Dabei sind seine Oberarme immer ein wenig weg vom Körper und die Handflächen zeigen nach oben." Den Zuschauern suggeriere das: "Ich will euch etwas geben."

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Auch den für Politiker typischen belehrenden Zeigefinger hat Obama drauf. Doch dass er ihn nicht ins Publikum richtet, gefällt den Experten. Dadurch vermeidet er, dass sich die Zuschauer angegriffen fühlen. Stattdessen zeigt der Finger etwas gedreht zur Seite - eine klassische Handhaltung für einen Angriff auf "die da".

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Bei Reden des Präsidenten wirkt sein nach vorne geneigter Körperschwerpunkt positiv auf die Zuhörer: "Obama steht meistens etwas mehr auf dem Fußballen", erklärt Matschnig. "Diese Haltung bedeutet: 'Ich kann und werde etwas bewegen.'"

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Mit Menschenmengen kann Barack Obama gut umgehen, er schafft es, auch bei großen Zuschauerzahlen jedem einzelnen das Gefühl zu geben, wichtig zu sein. "Das macht er zum Beispiel durch die gespreizte Hand", so Matschnig. "Wer bei der Begrüßung die Finger öffnet, nimmt Kontakt mit vielen auf."

Doch auch mit dem Einzelnen ...

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... schafft der Präsident sofort Nähe. Er hat keine Scheu, Menschen zu berühren. Dabei verdeutlicht er aber seine Dominanz: Beim Händeschütteln dreht Obama immer seine Hand nach oben - er hat die "Oberhand". Mit der linken Hand seitlich auf der Schulter seines Gegenübers macht er aber gleichzeitig klar: "Ich bin dein Freund."

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Eine Handhaltung, die Barack Obama auch seinem republikanischen Konkurrenten John McCain aufdrücken konnte. Ob diesem die Implikationen von Dominanz und Gönnerhaftigkeit so bewusst waren?

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Die Hände Obamas geben den Experten viel Anlass zur Interpretation. So konzentriert sich Monika Matschnig in ihrer Analyse dieses Bildes auf den weggestrecken kleinen Finger: "Diese Handstellung ist ein Zeichen von Genuss", erklärt sie. Obama genieße also ganz offensichtlich das Rampenlicht.

Martin Schuster fällt in diesem Bild der Griff um das Mikrophon positiv auf: "Er hält es mit entspannter Hand."

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Für Lockerheit steht auch diese Geste. Das hawaiianische "Shaka!", eine wackelnde Hand mit ausgestrecktem Daumen und kleinem Finger heißt: "Hang loose (Bleib locker)!" Der frisch vereidigte Präsident, der in Honolulu geboren ist, grüßte so bei seiner Inaugurationsparade die Marching Band der Punahou School, seiner alten Highschool auf Oahu, Hawaii.

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Besonders gut eignet sich Körpersprache, um Beziehungen zwischen zwei Menschen zu bewerten. Was also sehen wir hier? "Dass Barack Obama und seine Frau Michelle eine innnige, harmonische Partnerschaft führen", meint Monika Matschnig. Das sieht sie vor allem in der Nähe der beiden Tanzpartner zueinander, in Michelles strahlendem Lächeln, daran, dass Obama beinahe von seiner Frau gestützt wird - und: "Besonders auffällig ist die Armhaltung links: Die Hände verknoten sich förmlich."

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Dieses Bild zeigt Obamas rechte Hand - während er mit der linken die Anordnung unterschreibt, Guantanamo zu schließen. Professor Martin Schuster dazu: "Wenn der Kandidat besonders schöne Seiten hat, wird der Fotograf sie nicht verstecken. Die schöne, feingliedrige Hand Obamas, die auf Kultiviertheit und geistige Differenzierung schließen lässt, wird zur Hauptdarstellerin auf vielen Fotos."

Monika Matschnig achtet bei diesem Bild vor allem auf das Accessoire: "Der Armreif ist ein exponiertes Schmuckstück, ...

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... ebenso wie sein Ehering, der ebenfalls aus der Reihe fällt. Damit betont er seine Extravaganz."

Martin Schuster interpretiert das anders: "Dass Obamas Ehering auf Bildern so häufig sichtbar ist, betont seine Treue und Verlässlichkeit. Er will als Ehrenmann gesehen werden."

Foto: shutterstock

Text: sueddeutsche.de/Barbara Vorsamer/bica/jja

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