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Gesprächskreis von CDU und FDP:Schwarz-Gelb kocht jetzt Kartoffelsuppe

Kartoffeln werden teurer

Schwarz und Gelb, das war mal eine Koalition. Jetzt ist es eine Kartoffelküche.

(Foto: dpa)

Die dümmsten Bauern haben die ... genau: dicksten Kartoffeln. Das hindert CDU und FDP nicht daran, ihren neuen Gesprächskreis nach der Knolle zu benennen. Die "Kartoffelküche" soll der schwarz-grünen "Pizza-Connection" Konkurrenz machen.

Von Michael König

Politiker und Kartoffeln in einem Satz zu nennen, das kann sehr gefährlich werden. Fragen Sie mal Frank Bwalya. Der ist katholischer Priester in Sambia und hat jetzt eine Anklage wegen Beleidigung am Hals. Sein Vergehen: Er hatte den sambischen Präsidenten mit einer Kartoffel verglichen. In dem afrikanischen Land ist das strafbewehrt mit fünf Jahren Gefängnis. 7400 Kilometer weiter nördlich gilt die Kartoffel hingegen als Zeichen des politischen Aufbruchs. Wenn man so will.

In Berlin oder Düsseldorf wollen sich Politiker von CDU und FDP demnächst zu einem neuen Gesprächskreis treffen, der "Kartoffelküche" heißt. Darin sollen die Kontakte der beiden bürgerlichen Parteien verstärkt werden, schreibt die Rheinische Post unter Berufung auf Steffen Kampeter von der CDU.

Besonders aromatisch

Warum "Kartoffelküche"? Kampeter will das als Seitenhieb auf die "Pizza-Connection" verstanden wissen, den Gesprächskreis von CDU und Grünen aus den neunziger Jahren, der zuletzt wieder Schlagzeilen machte und den konservative Kräfte wie Kampeter kritisch sehen. "Aufgewärmte Pizza schmeckt nicht", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium. Er bedaure sehr, "dass manche in der Union meinen, jetzt müsse man nur noch auf die SPD und die Grünen gucken". Die "Kartoffelküche" sei ein "politisches Signal" gegen Stimmen, die meinten, "Union und FDP, das sei ein abgeschlossenes Kapitel".

Union und FDP haben, das nur zur Erinnerung, von 2009 bis 2013 regiert. Dann wurde die FDP abgewählt, und Angela Merkel kredenzte der SPD in den Koalitionsgesprächen ihre Leibspeise: Kartoffelsuppe.

Die FDP bekam nichts ab, schlimmer noch, sie fristet seitdem ein Dasein, das jenem der Kartoffel recht nahe kommt: beides sind Nachtschattengewächse. Auch wenn sich der neue Parteichef mit Kräften dagegen wehrt. Er heißt Christian Lindner, nicht verwandt oder verschwägert mit Linda, einer Kartoffelsorte mit "tiefgelbem Knolleninneren", die laut Wikipedia "als besonders aromatisch gilt".

Pizza ist beliebter

Lindas, pardon, Lindners Parteifreund Otto Fricke äußerte sich in der Rheinischen Post ebenfalls zum neuen Gesprächskreis. Er sagte: "Es geht darum, dass wir nach dieser Bundestagswahl und nach verletzendem Verhalten von beiden Seiten den Gesprächsfaden nicht verlieren."

Nun, das sollte kein Problem sein. Keine andere Nation isst so viele Kartoffeln wie die Deutschen, das wäre doch ein netter Ansatz für Small Talk vorab. Beliebter als die Kartoffel ist allerdings Pizza. Darüber könnten Schwarze und Gelbe gleich mal diskutieren: Lässt sich das auf die politische Ebene übertragen?

Und wenn gar nichts mehr geht, gibt es da noch die weit verbreitete Theorie, wonach das Volumen subterraner Agrarprodukte in reziproker Relation zur intellektuellen Kapazität des Produzenten steht. Oder anders: Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln.

© SZ.de/liv/dd

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