Gesellschaft:Agrarpolitik auf der Alm

Gesellschaft: Florian Klenk: Bauer und Bobo. Wie aus Wut Freundschaft wurde. Paul Zsolnay-Verlag, Wien 2021. 160 Seiten, 20 Euro. E-Book: 15,99 Euro.

Florian Klenk: Bauer und Bobo. Wie aus Wut Freundschaft wurde. Paul Zsolnay-Verlag, Wien 2021. 160 Seiten, 20 Euro. E-Book: 15,99 Euro.

Der österreichische Journalist Florian Klenk hat ein sehr persönliches Büchlein über Bauern und Brüsseler Irrsinn verfasst.

Von Cathrin Kahlweit

Auslöser für ein kleines, aber lesenswertes Buch, das der Chefredakteur des Wiener Falter geschrieben hat, war ein Wutanfall. Florian Klenk, streitbarer Journalist, Jurist und manchmal Aktivist, hatte ein Urteil gegen einen Bauern für richtig befunden, dessen Kuh eine Wanderin auf einem öffentlichen Weg zu Tode getrampelt hatte. Das Urteil hatte unter Österreichs Landwirten einige Empörung ausgelöst. Ein Biobauer aus der Steiermark, Christian Bachler, beschimpfte Klenk dafür wild auf Youtube, und lud den Städter, den Wiener Bobo ein, ein Praktikum oben bei ihm auf der Alm zu machen.

Klenk nahm an. Herausgekommen ist eine Freundschaft und eine Aktion: Bachler, hoch verschuldet, konnte mit Klenks Hilfe und erfolgreichem Crowdfunding seinen Hof vor der Versteigerung durch die Raiffeisenbank retten. Das ist die Vorgeschichte.

Dass Journalisten, wie der heilige Satz von Hanns Joachim Friedrichs heißt, sich nicht mit einer Sache gemein machen sollten, auch nicht mit einer guten, hatte Klenk getrost ignoriert; er tut das häufiger, wie viele vor allem jüngere Kollegen, die das klassische Berufsbild infrage stellen, auch. Dafür wird er in Österreich nicht nur gemocht. Sein Büchlein "Bauer und Bobo: Wie aus Wut Freundschaft wurde", vermischt die persönliche und die sachliche Ebene. Man kann das kritisieren, aber es macht den Text zugänglich und unterhaltsam: Klenk schaut mit dem kritischen Blick eines neugierigen Laien, dessen Vater selbst noch auf dem Dorf groß geworden ist, auf den Alltag eines Bauern. Auf Strukturen und Zwänge, in die ihn Politik und Interessenvertreter verstricken, auf die unendlichen Schwierigkeiten, die einem gemacht werden, der Massentierhaltung ablehnt, der mit seinem Vieh, seinem Hof nur überleben will und doch von der EU-Bürokratie und raffgierigen Banken in den Würgegriff genommen wird.

Klenks Buch ist kein Plädoyer für den Fleischverzicht und auch nicht für die gute alte Zeit, obwohl er Gefahr läuft, das Leben in einer dörflichen Gemeinschaft vor der Allgegenwart von Auto und Fernseher zu idealisieren. Es ist die - letztlich allgemeingültige - Geschichte eines Landwirts, dem die Klimakatastrophe ganz praktisch, jeden Tag mehr, die Existenzgrundlage raubt. Der sich mit neuen Ideen direkt an die Endverbraucher wendet, aber einen traditionellen Blick auf das Tierwohl hat. Trotz harter Arbeit und immensen Einsatz bleiben ihm im Monat nur ein paar Hundert Euro zum Leben. "Bauer und Bobo" erlaubt den intimen Blick in das brutale System von Agrarindustrie und Subventionspolitik, in dem sich Konsumenten nicht auskennen können - und sollen. Landwirt Bachler, der mit seinem Hof und seinem Vieh fürs Erste weitermachen kann, hilft ihnen dabei.

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