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Geschichten über Mut:Bibel statt Gewehr

Fünfzehn realistische Beispiele erzählen davon, wie man mit ungewöhnlichen Ideen und Tapferkeit scheinbar hoffnungslose Situationen meistert.

Von Robert Probst

Kann man als Soldat in den Krieg ziehen ohne Waffe? Kann man mit Rap-Musik gegen korrupte Präsidenten ansingen? Oder können Kinder in einem Bürgerkriegsland den Frieden ein Stück näherbringen? Ja, all das ist möglich - obwohl die Geschichten auf den ersten Blick kaum zu glauben sind. Aber genau darum geht es in dem Buch von Heather Camlot. "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin" handelt davon, dass der Vorstellungskraft keine Grenzen gesetzt sind, dass auch verrückte Ideen realisiert und sogar anscheinend hoffnungslose Situationen verbessert werden können, wenn man neue, ungewöhnliche Wege beschreitet.

Die kanadische Publizistin Camlot hat 15 wahre Begebenheiten zusammengetragen von meist unbekannten Menschen, die in sehr gefährlichen Situationen Mut und Mitgefühl gezeigt haben. Zum Beispiel geht es um den US-Soldaten Desmond Doss, der im Zweiten Weltkrieg als gläubiger Christ keine Waffe tragen wollte - und dann als Sanitäter in der Schlacht um Okinawa/Japan an einem Tag 75 Kameraden rettete, indem er allein die Verwundeten an den Rand einer Klippe schleppte und sie von dort abseilte. Auch als er selbst schwer verwundet wurde, bestand er darauf, dass andere zuerst behandelt wurden. Die 15 Geschichten sind alle nur eine Seite lang - und können so nicht alle Details klären. Doch anders als bei Camlot dargestellt, war Doss kein "Kriegsdienstverweigerer", sondern ging freiwillig zur Truppe, nur eben mit der Bibel, statt mit dem Gewehr. Serge Bloch hat jedes Beispiel mit fröhlichen Zeichnungen illustriert, Cornelia Funke hat ein Vorwort geschrieben.

Die Geschichten spielen in Asien, Afrika und in Europa seit der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Einzelne Menschen - unter ihnen der Boxer Muhammad Ali oder der Fußballstar Didier Drogba - treffen couragierte Entscheidungen und machen damit die Welt ein bisschen besser. Wie die Auswahl der Geschichten zustande kam, erschließt sich leider nicht. Aber die Botschaft ist klar: Hier kämpfen Menschen für Frieden und Mitmenschlichkeit. Und sie alle haben einen Traum. Und darauf kommt es an. (ab 8 Jahren)

Heather Camlot: Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. 15 wahre Geschichten gegen Krieg, Gewalt und Machtmissbrauch. Illustriert von Serge Bloch. Aus dem Englischen von Fabienne Pfeiffer. Dressler-Verlag, Hamburg 2020. 40 Seiten, 14 Euro.

© SZ vom 28.12.2020
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