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Georgien:Ein Mann fand ein Grenzschild in seinem Garten

Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, rief Tiflis auf, die Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien anzuerkennen. Immerhin hätten sich die Hoffnungen Georgiens und Russlands auf ein besseres Verhältnis "seit 2012 erfolgreich verwirklicht". Damals übernahm in Tiflis die Partei "Georgischer Traum" die Regierung, die einen moskaufreundlicheren, zumindest pragmatischeren Kurs genommen hat. Einige Sanktionen wurden aufgehoben, der Handel hat zugenommen, 2017 reisten mehr als eine Million russische Touristen in das Kaukasus-Land am Schwarzen Meer, Georgier liefern wieder Wein und Mineralwasser nach Russland.

Doch diplomatische Beziehungen haben beide Länder nicht aufgenommen. Medwedjew sagte jetzt, wenn Georgien bereit sei, könnten diese wiederhergestellt werden. Russlands Anerkennung von Abchasien und Südossetien als unabhängige Staaten müssten dem nicht im Wege stehen. Doch aus Sicht von Tiflis ist das nicht so einfach. Georgien betrachtet die Gebiete als "besetzte Gebiete", versperrt für Zehntausende Menschen, die überwiegend in Flüchtlingsdörfern leben.

Und Spannungen an der Grenze gibt es auch. Seit Jahren beklagen sich Georgier, dass über Nacht Zäune ein Stückchen weiter auf georgisches Gebiet geschoben würden, Grundstücke plötzlich geteilt seien. Die georgische Fotografin Tako Robakidze ist seit drei Jahren immer wieder an die Grenzlinie gefahren. Am Telefon erzählt sie von einem 84 Jahre alten Mann, der ein Grenzschild in seinem Pfirsichgarten entdeckt habe und nun auf der südossetischen Seite lebe.

Robakidze sprach mit dem Mann durch den Zaun hindurch. Sie sagt, "er weiß nicht, was er tun muss, was aus seiner Rente wird." Die Menschen lebten in ständiger Sorge. Immer wieder werden Anwohner wegen Übertritts über die Grenze festgehalten. Sie müssen sich mit ungefähr 30 Dollar auslösen.

Eine EU-Mission patrouilliert entlang der "administrativen Grenzlinie"

"Bauern haben in den vergangenen Jahren an Zugang zu ihrem Land verloren", sagt der Leiter der EU-Beobachtermission (EUMM), Erik Høeg, der Süddeutschen Zeitung. "Und von denen, die Zutritt haben, wollen manche ihren Boden gar nicht mehr kultivieren, aus Sorge vor einer Festnahme durch einen russischen Grenzschützer oder irreguläres Sicherheitspersonal."

Die EU-Mission patrouilliert mit 200 Beobachtern entlang der sogenannten administrativen Grenzlinie, versucht, Spannungen abzubauen, Streit zu lösen, Vertrauen zu schaffen, nimmt über eine Hotline Klagen und Bitten entgegen - 1436 in diesem Jahr. Høeg beschreibt die Lage als "relativ ruhig", aber er sagt auch, die Grenzlinie sei durch "die starke Kontrolle von Sicherheitsleuten in Abchasien und Südossetien und den zunehmenden Bau von Barrieren undurchlässiger geworden." Er verlangt weiteren Einsatz "aller Parteien", um solche Vorfälle beizulegen. "Sonst könnte der Konflikt wieder anschwellen."

Region am Schwarzen Meer

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