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Georgien:Im ewigen Konflikt

Die Geschichte Georgiens ist eine Geschichte des Widerstandes und der Gewalt: Die Kämpfe um Südossetien sind ein neues Kapitel einer traurigen Tradition.

Es scheint, als könne Georgien nicht zur Ruhe kommen. Die jüngsten Kämpfe um Südossetien sind ein neuer Höhepunkt - und doch nur ein Kapitel einer traurigen Tradition: Denn die Geschichte Georgiens ist eine Geschichte des Widerstandes und der Gewalt, eine Geschichte von gewaltsamen und kriegerischen Konflikten. Obwohl Georgien kaum größer als Bayern ist, wird das Land an vielen Fronten aufgerieben. Der größte Rivale ist das 245 Mal größere Russland, doch auch in Georgien brodelt es immerwährend.

Georgische Demonstranten protestieren gegen das russische Militär und schwenken die georgische Flagge.

(Foto: Foto: ap)

Im Jahr 1918 erklärte Georgien zum ersten Mal seine Unabhängigkeit. Mit der Demokratischen Republik Georgien endete damals eine über hundert Jahre dauernde russische Herrschaft. Doch schon damals standen nicht alle Georgier hinter ihrer Regierung. Einige nationale Minderheiten widersetzten sich unterstützt von russischen Truppen, der Unabhängigkeit.

So hielt der Frieden nicht lange an: Schon 1921 griff die Rote Armee Georgien an und besetzte das Land erneut. Die Sowjets gründeten die Georgische (auch Grusinische) Sozialistische Sowjetrepublik, die nach und nach zur Zerschlagung des eigentlichen georgischen Staates führte. Das Land wurde erst Teil der Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik und nach deren Ende in die Sowjetunion eingegliedert.

Dies geschah unter der Besatzung Sowjetrusslands beziehungsweise der Sowjetunion und ständigen Protesten innerhalb Georgiens, die jedoch erfolglos blieben und meist brutal niedergeschlagen wurden - von einem Volksaufstand gegen die Besatzung im August 1924, bei dem mehrere tausend Menschen getötet wurden, bis zu einer friedlichen Demonstration in Tiflis 1989, bei der 20 Menschen ums Leben kamen.

Mit dem Ende des Kalten Krieges bot sich dem Land eine neue Chance und im April 1991 gelang es Georgien, sich von der UdSSR zu lösen, die kurze Zeit später aufgelöst wurde. Das Land war somit formal, ihm stand aber dennoch eine krisenreiche Zeit bevor. Der Weg Georgiens zu einer stabilen Regierung war lang und innergeorgische Konflikte, die von der Sowjetmacht lange unterdrückt wurden, flammten neu auf.

Präsidenten werden gestürzt

Die Georgier wählten 1991 Swiad Gamsachurdia zu ihrem ersten Präsidenten. Noch im selben Jahr zwang ihn aber ein Putsch, der von der Nationalgarde und paramilitärischen Gruppen organisiert wurde, zur Aufgabe seines Amtes. Abgelöst wurde er durch den früheren sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse. Nach der Rosenrevolution 2003, bei der Georgier in friedlichen Massendemonstrationen auf die als manipuliert geltende Parlamentswahl des Jahres reagierten, musste Schewardnadse ebenfalls zurücktreten. Sein Nachfolger wurde der heutige Präsident Michail Saakaschwili.

Unter seiner Führung strebt Georgien eine Anbindung an den Westen an und unternimmt große Anstrengungen, um die Beziehungen zur EU und zur Nato zu intensivieren. Dieser Kurs widerstrebt Russland schon seit langem. Die Nato selbst schiebt die innergeorgischen Konflikte als Grund für die Ablehnung vor.

Diese Konflikte brachen mit dem Ende des Sowjetreiches wieder aus und destablisieren Georgiens Weg in die Selbstständigkeit. Südossetien beschloss per Volksentscheid den Wunsch nach Unabhängigkeit und setzte sich fortan für die Vereinigung mit dem zur Russischen Föderation gehörenden Nordossetien ein.

Im Jahr 2004 eskalierte der Konflikt in Südossetien. Die Kämpfe endeten mit einem Waffenstillstand, eine Friedenstruppe mit Soldaten der beteiligten Parteien Georgien, Südossetien und Russland blieb in der Region, um die Lage stabil zu halten.

2006 erklärte Südossetien dann seine Unabhängigkeit. International wird diese nicht anerkannt, Russland unterstützt die Region aber bei ihrem Vorhaben. So verteilte die Moskauer Regierung großzügig russische Pässe in der Krisenregion und stellt sich so wieder gegen die georgische Regierung. Die erneuten Versuche Georgiens, das Gebiet zurückzugewinnen, eskalierten Ende letzter Woche und führten zum jüngsten Krieg zwischen den verfeindeten Nachbarstaaten.

Krisen in Abchasien und Adscharien

Zwei weitere Regionen sorgen für Unruhe. Das am Schwarzen Meer gelegene Abchasien will sich ebenfalls von der georgischen Regierung lösen und autonom werden. Die Aufständischen schafften es, die georgischen Truppen zu besiegen und erklärten Abchasien im Jahr 1992 für unabhängig. 1993 kam es in der Hauptstadt Suchumi zu einem Massaker. Abchasische paramilitärische Kämpfer, nordkaukasischen Hilfstruppen, Kosaken und russische Söldner stürmten die Stadt und brachen damit einen vereinbarten Waffenstillstand. Die Gruppen wollten eine ethnische Säuberung der Region erreichen, ihr Angriff forderte rund 7.000 Todesopfer.

Die Autonomie der Region wird international ebenfalls nicht anerkannt und um weitere Krisen zu vermeiden, ist dort eine Friedenstruppe stationiert, die zuletzt im Mai 2008 verstärkt wurde.

Einzig der dritte georgische Problemfall gibt Anlass zur Hoffnung: Die islamisch geprägte Region Adscharien im Südwesten des Landes schaffte den Schritt in die Autonomie. Die Regionalregierung des Gebietes unterhält mittlerweile weitgehend friedliche Beziehungen zur georgischen Regierung in Tiflis. Nur über Rechts- und Finanzpolitk wird häufig gestritten - ein unbedeutendes Problem im Vergleich zu den übrigen Konflikten der Region.

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