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Afrikanische Union:AU verurteilt "andauernde diskriminierende Praktiken" gegen schwarze Amerikaner

Minneapolis Feuer George Floyd

In Folge des Mordes an Floyd kommt es in Minneapolis zu Unruhen, mehrere Brände wurden gelegt.

(Foto: REUTERS)

Der Bund aus 55 afrikanischen Staaten regiert ungewöhnlich schnell und scharf auf den Mord an George Floyd. Im Verhältnis zwischen dem Westen und Afrika zeichnet sich eine Umkehr ab.

Die Afrikanische Union in Addis Abeba vertritt die 55 Staaten des Kontinents, die für viele aus der Ferne betrachtet wie ein Land sind, Afrika halt, je näher man schaut aber mindestens so unterschiedlich wie die Ukraine und Spanien in Europa. Die Vielfalt macht es der AU nicht immer leicht, mit einer Stimme zu sprechen. Treffen sich die Staatschefs zu den Gipfeltreffen, gehört es zur guten Sitte, die Reden und Auftritte der anderen Präsidenten wohlwollend zu beklatschen, Kritik gibt es eher selten.

Deshalb war es erstaunlich, wie schnell und entschieden die AU am Freitag reagierte, zu einem Vorgang, der sich gar nicht auf dem Kontinent spielt. "Wir verurteilen aufs Schärfste den Mord an George Floyd, die in den Vereinigten Staaten passiert ist und sprechen seiner Familie unser Beileid aus", sagte AU-Chef Moussa Faki Mahamat. Er sprach sich gegen "die andauernden diskriminierenden Praktiken gegen schwarze Bürger der USA" aus.

Auch andere Politiker afrikanischer Staaten stimmten mit ein und forderten die Einhaltung der Menschenrechte und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist ziemlich exakt das, was seit Jahrzehnten vor allem in umgekehrter Richtung gefordert wurde. Der Westen machte alles richtig, Afrika alles falsch.

Auf einmal dreht sich die Kritik. Erst vor wenigen Wochen bestellten viele Afrikanische Staaten die chinesischen Botschafter ein, und tadelten sie wegen der Behandlung von Afrikanern in der Provinz Guangzhou, wo viele Migranten wegen der Corona-Pandemie diskriminiert wurden. Die Chinesischen Botschafter nickten demütig. Wenige Wochen später nun werden die USA getadelt. Ugandas Arbeitsminister Frank K. Tumwebaze schlug gleich vor, die Schuldigen "den hungrigen Löwen zum Fraß vorzuwerfen". In den sozialen Medien erntete er gleich den Spott der Opposition Ugandas, die immer wieder gewaltsam vom Staat unterdrückt wird.

Nicht alle, die nun den Tod von George Floyd kritisieren, sind in ihren Heimatländern durch ihren andauernden Einsatz für die Menschenrechte aufgefallen. Andererseits sind die wenigsten afrikanischen Staaten Diktaturen, oder deren Bürger Opfer solch systematischer Polizeigewalt wie in den USA. Und das kann man schon mal sagen.

© SZ/bix
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