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Generationswechsel in der Linkspartei:Gysi schwärmt von Wagenknecht

Erst wollte er die Kapitalismus-Kritikerin als Ko-Chefin verhindern, jetzt gibt Gregor Gysi sich gönnerhaft: Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei attestiert Sahra Wagenknecht eine "positive Entwicklung" - und sieht sie gar als geeignete Nachfolgerin. Woher der Geisteswandel?

Es ist erst ein paar Monate her, dass Gregor Gysi eine Doppelspitze mit Sahra Wagenknecht verhinderte. Er blieb Fraktionsvorsitzender, sie wurde seine erste Stellvertreterin.

Gysi: Wagenknecht kann meine Nachfolgerin sein

Wird Sahra Wagenknecht die Nachfolgerin von Linken-Fraktionschef Gregor Gysi? Der attestiert ihr eine positive Entwicklung. Das war nicht immer so.

(Foto: dapd)

Nun gibt er sich gönnerhaft - und sieht in der 43-Jährigen eine geeignete Nachfolgerin. "Ich würde es ihr gönnen. Das Zeug dazu entwickelt sie", sagte Gysi der Zeitschrift Bunte.

Wann er seinen Posten räumen und Wagenknecht übernehmen könnte, wollte der 64-Jährige aber nicht prognostizieren: Der Generationswechsel stehe "irgendwann" an, sagte er.

Gysi attestiert Wagenknecht eine positive Entwicklung. Vor einigen Jahren noch hätte er ihren Aufstieg nicht befürwortet. "Heute hat sie nicht nur Karl Marx, sondern auch Ludwig Erhard gelesen - und verstanden."

Zudem habe Wagenknecht "Zugang zu gehobenen Kreisen, deren Vertreter sie gern einladen", sagte er. Nun müsse sie nur noch lernen, ihre Erkenntnisse auch Leuten zu vermitteln, die sich kaum mit Politik beschäftigten.

Wagenknecht, die mit dem ehemaligen Linke-Vorsitzenden Oskar Lafontaine liiert ist, gilt als Vertreterin des linken Parteiflügels und hatte als frühere Wortführerin der Kommunistischen Plattform einst viel interne Kritik auf sich gezogen.

Jetzt ist das anders: Gysi kam regelrecht ins Schwärmen - und hob dabei nicht nur die politischen Qualitäten der 43-Jährigen hervor: "Sie hat einen distanzierten Charme, der Männer besonders reizt."

Wagenknecht ist eines der bekanntesten Gesichter der Linkspartei. Im Führungsstreit um den Parteivorsitz zog sich die Kapitalismus-Kritikerin Ende Mai aus dem Machtkampf zurück und unterstützte das Führungsduo aus Klaus Riexinger und Katja Kipping.