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Generalstreik in Italien:Millionen legen die Arbeit nieder

Mehrere Millionen Menschen haben sich am Freitag an einem vierstündigen Generalstreik beteiligt. Mit der landesweiten Aktion protestierten die Gewerkschaften gegen die Rentenreform-Pläne der Regierung. Die Deutsche Bahn rechnet mit Verspätungen, die Lufthansa streicht Flüge.

Der Ausstand, der bis 13.00 Uhr dauern sollte, schränkte den Flug- und Bahnverkehr deutlich ein.

Wegen des Streiks rechnete auch die Deutsche Bahn AG mit Verspätungen bei Zügen von und nach Italien. Ein Sprecher der Lufthansa teilte in Frankfurt mit, zwischen 12.30 Uhr und 16.30 Uhr sollten 26 Italien-Flüge gestrichen werden. Die Passagiere könnten möglicherweise auf andere Flüge umgebucht werden.

Die italienische Eisenbahngesellschaft kündigte den Ausfall oder die Verspätung etwa der Hälfte aller Zugverbindungen an. Nach Angaben der Fluggesellschaft Alitalia sollten 155 Flüge storniert werden, weitere 124 würden umgeleitet oder sich verzögern. Schulen, Banken, Postagenturen und Museen blieben geschlossen, einige Kinos wollten Vorstellungen absagen. Krankenhäuser sollten nur für Notfallmaßnahmen besetzt sein.

In zahlreichen Städten waren Demonstrationen geplant, wie die drei größten Gewerkschaften des Landes, CGIL, CISL und UIL, mitteilten. Sie haben zusammen rund elf Millionen Mitglieder. Die größten Protestaktionen sollten in Rom, Neapel und Bologna stattfinden.

Bereits 1994 demonstrierten rund eine Million Menschen gegen eine geplante Rentenreform der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, die kurz drauf nach ihrer ersten Amtszeit zurücktrat. Im April vergangenen Jahres gingen etwa eine Million Menschen gegen geplante Reformen des Arbeitsrechts auf die Straße.

Berlusconi hatte die geplante Reform Ende September in einer Fernsehansprache angekündigt. Das derzeitige Rentensystem lasse sich angesichts des wachsenden Durchschnittsalters der Bevölkerung und der geringen Geburtenrate nicht mehr aufrechterhalten, sagte Berlusconi. Die Reform sieht vor, dass Arbeitnehmer ab kommendem Jahr deutlich später in Rente gehen als bisher. Derzeit ist in Italien eine Pensionierung nach 35 Arbeitsjahren bereits im Alter von 57 Jahren möglich. Ab 2008 soll eine solche frühe Verrentung mit deutlichen finanziellen Einbußen verbunden sein. Die Regierung will so bis zu zehn Milliarden Euro jährlich einsparen.