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Generalsekretär Ziemiak:Jobangebot am Rand der Tanzfläche

  • Mit Paul Ziemiak wird zum ersten Mal ein Vorsitzender der Jungen Union direkt Generalsekretär der CDU.
  • Der 33-Jährige war bis zur Wahl Kramp-Karrenbauers zur CDU-Chefin im Lager von Merz und Spahn - manche in der Partei finden deshalb, seine Wahl habe ein "Geschmäckle".
  • Gleich an seinem ersten Tag muss er harte Kritik und sogar üble Entgleisungen einstecken.

Die CDU ist mehr als 70 Jahre alt, da sollte man meinen, dass es alles schon einmal gegeben hat. Aber so etwas wie am Samstag haben die Christdemokraten in ihrer langen Geschichte noch nie erlebt - und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Um halb ein Uhr morgens, am Rand einer Tanzfläche, wurde vereinbart, wer neuer Generalsekretär werden soll. Und der ist dann auch noch der mit Abstand jüngste, den die Partei je hatte.

Zum ersten Mal wird ein amtierender Vorsitzender der Jungen Union direkt Generalsekretär. Paul Ziemiak heißt der Mann, der auch ansonsten eine für CDU-Verhältnisse ungewöhnliche Biografie vorzuweisen hat. Und der gleich an seinem ersten Tag im Amt harte Kritik und üble Entgleisungen einstecken muss.

Sogar in seinen eigenem Verband, der JU, weisen viele sofort nach der Wahl maliziös darauf hin, dass Ziemiak sein Studium noch nicht abgeschlossen habe, und dass er sein neues Amt einem "schmutzigen Deal" verdanke. Noch schlimmer ist der Vorwurf des Schatzmeisters der Mittelstandsvereinigung, des Wirtschaftsflügels der Union. Der schreibt auf Facebook, Ziemiak sei ein "Griff ins Klo". Es sei "unglaublich", dass die neue CDU-Chefin jemanden zum Generalsekretär mache, "der noch nie mit bodenständiger Arbeit Geld verdient hat" und der "keinen vernünftigen Abschluss vorweisen kann". Ausgerechnet Hermann Hesse heißt der Schatzmeister; er zeigt, dass doch nicht jedem Anfang ein Zauber innewohnt.

Was ist da passiert? Am späten Freitagnachmittag war die bisherige Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer in einer Kampfabstimmung zur neuen CDU-Vorsitzenden gewählt worden. Die Partei brauchte also einen neuen Generalsekretär. Und es war klar, dass der aus dem Lager von Kramp-Karrenbauers Gegenkandidaten Friedrich Merz und Jens Spahn kommen muss, um die aufgewühlte Partei wieder zu befrieden. Schon in den vergangenen Wochen hatte es Spekulationen gegeben, dass Kramp-Karrenbauer im Fall ihrer Wahl Ziemiak zu ihrem Nachfolger machen wolle. Der JU-Chef, er ist mit Spahn befreundet, hatte eine derartige Vereinbarung aber stets bestritten. Und auch Kramp-Karrenbauer sagte der Welt noch unmittelbar vor dem Parteitag auf die Frage, ob sie mit Ziemiak eine Absprache getroffen habe: "Nein, das stimmt nicht."

Umso überraschender war dann der Samstag. Kramp-Karrenbauer ging ans Redepult und offenbarte den Delegierten, dass sie bereits kurz nach Angela Merkels Ankündigung, den Parteivorsitz abzugeben, Ziemiak gefragt habe, ob er ihr Generalsekretär werden wolle. Doch der habe damals mit Verweis auf seine Freundschaft zu Spahn, seine politische Nähe zu Friedrich Merz und seine Herkunft aus Nordrhein-Westfalen abgelehnt. Merz und Spahn kommen ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen, Kramp-Karrenbauer ist Saarländerin. "Am Rande der Tanzfläche" des Delegiertenabends, in der Nacht zum Samstag, habe sie Ziemiak dann aber noch einmal angesprochen, sagte die neue Parteivorsitzende - und ihn überzeugen können.

Deshalb schlage sie ihn jetzt vor. Ziemiak bestätigt den Ablauf später. Und es gibt bisher keinen Beleg dafür, dass die Geschichte nicht stimmt. Ziemiak sagt sogar, er habe weder im ersten Wahlgang noch in der Stichwahl für Kramp-Karrenbauer votiert. Aber wegen der Vorgeschichte haben viele Delegierte doch Zweifel an der Version: War nicht klar, dass die Abstimmung zwischen Kramp-Karrenbauer und Merz knapp werden würde - und dass die Junge Union dabei ein Machtfaktor ist? Hat "AKK" mit ihrem Angebot versucht, einen wichtigen innerparteilichen Gegner vor der Wahl auf ihre Seite zu ziehen?

Im Lager von Spahn und Merz sagen viele, selbst ohne Deal habe der Vorgang deshalb ein unangenehmes Geschmäckle. Entsprechend schlecht fällt dann auch das Wahlergebnis von Ziemiak aus, nur 62,8 Prozent der Delegierten stimmen für ihn. Kramp-Karrenbauer war bei ihrer Wahl zur Generalsekretärin im Februar auf fast 99 Prozent gekommen.