Süddeutsche Zeitung

Gemeinsamer Auftritt von Clinton und Obama:Einheitsfeier im Partnerlook

Erstmals seit ihrem Rückzug aus dem Rennen um die Präsidentschaft ist Hillary Clinton gemeinsam mit Barack Obama aufgetreten. Beide beschworen die Einheit ihrer Partei - und Obama forderte seine Anhänger auf, Clinton aus dem Schuldensumpf zu helfen.

Reymer Klüver

Es war der Tag der Symbole. "Unite for Change" ist das neueste Wahlkampfmotto des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, "einig für den Wechsel". Und was könnte das besser symbolisieren als ein gemeinsamer Auftritt mit seiner erbittertsten Rivalin aus den Primaries, mit Hillary Clinton?

Und das in einem Nest namens Unity - Einigkeit - in New Hampshire, wo beide bei der Vorwahl exakt gleich viel Stimmen bekommen hatten, jeweils 107. Am Freitagmittag wurde dort die Einheitsfeier inszeniert: vor einem gigantischen Sternenbanner und 6000 Leuten, die in Sprechchören "Obama" und "Thank you, Hillary" riefen.

Clinton, Obama auf einem Hocker neben ihr sitzend, lobte die "Stärke und Entschlossenheit" ihres ehemaligen Konkurrenten. "Heute treffen sich unsere Pfade", gemeinsam könnten sie nun eine "unaufhaltsame Kraft für den Wechsel" schaffen. Sie forderte ihre Anhänger auf, "all unsere Leidenschaft, Energie und Kraft" zusammenzunehmen, um Obama zum Präsidenten zu wählen. "Wir dürfen diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen", sagte sie.

Obama revanchierte sich mit einem Lob seiner früheren Rivalin als "zäh, leidenschaftlich und der gemeinsamen Sache verpflichtet" und nannte sie eine Freundin. "She rocks", rief er, "sie ist mitreißend". Und dann sagte er einen Satz, der von vielen Anhängern Clintons und, wenn die politischen Auguren in Washington recht haben, von ihrem Mann Bill persönlich erwartet worden war: "Wir brauchen sie und Bill in den kommenden Monaten und Jahren."

Von Anfang an war der Tag sorgfältig choreographiert. Am Flughafen von Washington, wo sie zu ihrem gemeinsamen Auftritt nach Neuengland aufbrachen, gab es Wangenküsschen von ihm für sie. Hillary klopfte Barack auf die Schulter. Im Flugzeug saßen sie dann die anderthalb Stunden einträchtig nebeneinander.

Und es fiel auf, dass die beiden offenbar sogar ihre Kleidung im Partnerlook aufeinander abgestimmt hatten. Obama trug eine Krawatte im Himmelblau seines Wahlkampflogos, Hillary Clinton hatte einen hellblauen Hosenanzug ausgewählt.

Am Vorabend waren beide mit etwa 200 finanzstarken Unterstützern Hillary Clintons zusammengetroffen. Clinton betonte, dass die Demokraten eine Familie seien, und ihre Anhänger könnten das nun beweisen, indem sie Obama unterstützten.

Barack Obama wiederum rief seine finanzkräftigsten Förderer auf, nun auch noch für Hillary Clinton zu spenden. Sie hat im Wahlkampf mehr als 20 Millionen Dollar Schulden angehäuft. Obama und seine Frau Michelle schrieben vor laufenden Kameras zwei Schecks von jeweils 2300 Dollar für Clintons Wahlkampagne aus, den Höchstbetrag, den ein US-Bürger einem Kandidaten für den Vorwahlkampf spenden darf.

Das war offenbar Teil einer Vereinbarung zwischen den beiden einstigen Konkurrenten, sozusagen als Gegenleistung Barack Obamas für Hillary Clintons demonstrativen öffentlichen Beistand für ihn.

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SZ vom 28.06.2008/sekr
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