Geheimer Krieg:Was ist da alles passiert?

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Die allermeisten Flüge waren als "General Aviation" (Allgemeine Luftfahrt) deklariert und damit nicht erlaubnispflichtig. Was da alles passiert sei? Keine Ahnung. "Der Bundesnachrichtendienst hat sich nie als eine Instanz verstanden, die den engsten Verbündeten der Bundesrepublik überwacht", erklärte ein BND-Oberer vor dem BND-Untersuchungsausschuss.

Auch der damalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) war gegen Nachforschungen seiner Behörde, weil die strafrechtlichen Ermittlungen bessere Aufklärungsmöglichkeiten böten. Doch Staatsanwälte, die ermitteln wollten, liefen in Berlin gegen eine Gummiwand. Anträge auf Rechtshilfeersuchen wurden von der Regierung mit Chuzpe verhindert. Es gab nur ein paar informelle diplomatische Anfragen an die Amerikaner, die nichts brachten. Man tut ja seine Pflicht.

Mindestens in zwei Fällen, das steht fest, hat die CIA über deutschem Staatsgebiet Gefangene verschleppt. 2001 wurden zwei in Schweden entführte Verdächtige über Deutschland nach Kairo geflogen. Was hätte man da schon machen können? Im Februar 2003 allerdings wurde ein in Mailand von mehr als zwanzig CIA-Agenten gekidnappter Imam in Ramstein umgeladen, nach Ägypten verschleppt und gefoltert. Da hätte man was machen müssen.

Von der Regierung ausgebremst

Die Staatsanwaltschaft in Zweibrücken wollte etwas machen. Sie leitete gegen unbekannt ein Strafverfahren wegen Freiheitsberaubung und Nötigung ein, wurde von der Regierung ausgebremst. Noch heute ärgern sich die Strafverfolger darüber, dass sie an ordentlichen Ermittlungen mehr oder weniger gehindert wurden, während die Kollegen in Mailand die CIA-Agenten in Abwesenheit anklagten. Die CIA-Leute wurden verurteilt.

Deutschland war bei der Mailand-Operation eine wichtige Basis gewesen, das Sheraton-Hotel am Flughafen ein Sammelpunkt. Einige Spione waren über Deutschland nach Italien gefahren, andere zogen über Deutschland wieder in die USA ab.

Die CIA-Agentin Anne Jenkins beispielsweise, die das Opfer ausgespäht haben soll, gab ihren in Mailand gemieteten Wagen in Frankfurt ab und übernachtete im Sheraton-Hotel am Flughafen. Ihre Kollegin Cynthia Logan zählte zu der Einheit, die den Menschenraub organisierte. Auch sie stieg im Sheraton ab.

Über 26 deutsche Anschlüsse liefen Kontakte zu den Kidnappern oder Helfern. Siebenmal wurden sie von einer Nummer auf der Air Base in Ramstein angerufen, einmal von einer Nummer auf der Air Base in Frankfurt und einer Spedition in Frankfurt, vermutlich einer CIA-Tarnfirma. Und eine Firma, die als Rechnungsanschrift die Adresse des US-Generalkonsulats in Frankfurt angibt, war auch darunter.

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