Geheimdossier Rätsel um Arafats Tod

Gehirnschlag, Gift oder Aids - woran der Palästinenserführer im November starb, ist immer noch unklar. Jetzt veröffentlichte die New York Times erstmals den Geheimbericht von Arafats Leibärzten, doch der liefert nur neuen Stoff für Verschwörungstheorien.

Woran starb Jassir Arafat? Zumindest unter den Palästinensern finden sich ziemlich viele, die auf diese Frage sofort antworten werden, ihr Führer sei vergiftet worden, und das natürlich von den Israelis. Arafats Leibarzt Aschraf al-Kurdi behauptet bis heute: "Alle Symptome deuten auf Gift hin."

Gehirnschlag, Gift oder Aids? Um die Ursache für Arafats Tod ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien.

(Foto: Foto: dpa)

Andere - es sind selten Palästinenser - vermuten Aids als Todesursache. Die geheimnisvolle Krankheit, der der erste Palästinenserpräsident im November vergangenen Jahres nach vier Wochen in einem französischen Militärkrankenhaus erlag, gibt jedenfalls bis heute Anlass zu Verschwörungstheorien. Und das umso mehr, als Arafats Ehefrau Suha eine Obduktion der Leiche des Friedensnobelpreisträgers verboten hatte.

Die New York Times und israelische Medien wurden jetzt des geheimen Abschluss-Untersuchungsberichts der französischen Ärzte Arafats habhaft. Was darin steht, scheint die Giftmischer-These weitgehend auszuschließen. Zwar bleibt unklar, an welcher Krankheit der 75-Jährige starb.

Unbekannte Infektion

Zweifelsohne aber sei der Auslöser eine Infektion gewesen, die wiederum zu einer Störung des Bluthaushalts geführt habe, heißt es laut New York Times im französischen Report.

Art und Ursache der Infektion sei aber nie herausgefunden worden. Mit größter Wahrscheinlichkeit sei Arafat aber weder vergiftet worden noch an Aids gestorben. Die eigentliche Todesursache sei eine Gehirnblutung sowie ein Gehirnschlag samt Organversagen gewesen.

Um sicherzugehen, hatte die New York Times den Geheimbericht mehreren amerikanischen und israelischen Ärzten vorgelegt, die eine Reihe von Anmerkungen machten: Arafat, der wenige Stunden nach einer Mahlzeit plötzlich an Erbrechen, Bauchschmerzen und Fieber litt, sei von seinen arabischen Ärzten in Ramallah von Anfang an falsch behandelt worden.

So habe man ihm erst kurz vor dem Transport ins Pariser Militärkrankenhaus Antibiotika gegeben und zudem eine innere Blutung nicht erkannt. Offiziell litt der Palästinenserchef bis zur Verlegung nach Paris an einer Grippe. Als Arafat in Frankreich eintraf, sei sein Leben bereits nicht mehr zu retten gewesen.

"Das Geheimnis wird noch größer werden"

Nur einer der von der New York Times hinzugezogenen Mediziner, deren Namen nicht genannt wurden, wollte den Einsatz eines sehr seltenen Giftes wie Rizin nicht ganz ausschließen. Es fehlten aber die typischen Symptome wie Nieren- oder Leberschäden. Zudem sei es Arafat kurz vor seinem Tod wieder besser gegangen, was nicht zum typischen Verlauf einer Vergiftung passe.

Die israelischen Medien hingegen wollten Gift nicht ausschließen, konnten das aber auch nicht belegen. "Das Geheimnis um Arafats Tod wird nach diesem Bericht noch größer werden", sagte ein israelischer Reporter, der den Bericht gelesen hatte. Eine offene Frage ist zudem, warum die französischen Ärzte den Patienten nicht routinemäßig auf Aids getestet hatten.

Der Verdacht eines Giftmords am in Israel verhassten Palästinenserchef war jedenfalls nahe liegend: Israels Premier Ariel Scharon hatte lange vor Arafats Tod gesagt, er bedauere, den "Terroristen" nicht vor Jahren bei passender Gelegenheit "eliminiert" zu haben. Ein anderes Mal soll er bemerkt haben, man könne Gottes Willen in Sachen Leben und Tod Arafats durchaus aktiv nachhelfen.