Geheimdienste Magere Information zum "dicken Bruder"

Von Hans Leyendecker

Der Deutsch-Syrer Mohammed Haydar Zammar und der in Saudi-Arabien geborene Abu Subair al-Haili sind nicht zu übersehen. Zammar wiegt gut 140 Kilogramm und war in der Hamburger Islamistenszene als der "dicke Bruder Haydar" bekannt; al-Haili bringt leicht 150 Kilogramm auf die Waage, was ihm den Beinamen "der Bär" einbrachte. Die beiden Schwergewichte waren eine Weile wie vom Erdboden verschluckt. Nun kam heraus, dass sie in Haft sitzen. Sie sollen in die Vorbereitung der Anschläge vom 11.September verwickelt gewesen sein.

Besonders der Fall des 41 Jahre alten Zammar bewegt die deutschen Sicherheitsbehörden, denn sie fühlen sich von den amerikanischen Partnern düpiert. Das Bundeskriminalamt hatte bereits im Herbst den 1982 eingebürgerten Zammar im Verdacht, bei der Bildung der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta eine wichtige Rolle gespielt zu haben.

Gegen Zammar wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung eingeleitet, für einen Haftbefehl reichte das Beweismaterial nicht. Ende Oktober 2001 verschwand der Hamburger, observiert von US-Fahndern, Richtung Nordafrika. Kurz darauf hieß es, er sei in Marokko zunächst festgenommen, dann wieder freigelassen worden und schließlich verschwunden. Auf Anfrage teilten die marokkanischen Behörden deutschen Diplomaten mit, sie hätten Zammar abgeschoben, wüssten aber nicht mehr wohin.

Eine Art Cheforganisator

Weder Nachforschungen deutscher Fahnder noch Recherchen des Bundesnachrichtendienstes ergaben Aufschluss über seinen Verbleib. Rückfragen in den USA blieben unbeantwortet oder es gab die Antwort, über den Aufenthaltsort Zammars sei nichts Näheres bekannt. Lapidar wurde mitgeteilt, dass sich Zammar nicht in den USA aufhalte.

Das stimmte - und war dennoch nur die halbe Wahrheit. Die Marokkaner hatten im vergangenen Dezember den in Syrien geborenen Hamburger nach Damaskus abgeschoben. Dort wird er, wie jetzt bekannt wurde, seit Anfang des Jahres von syrischen Ermittlern vernommen, und diese wiederum werden von US-Geheimdienstlern mit Fragen gespickt.

"Wir suchen nach Zammar und unsere Freunde halten es nicht einmal für nötig, uns zu informieren", klagt ein hochrangiger deutscher Sicherheitsexperte. Dabei wären Zammars Ausführungen für deutsche Ermittler durchaus von Interesse. Denn einem Bericht der Washington Post zufolge hat Zammar angeblich im Verhör gestanden, den Terrorpiloten Mohammed Atta für die al-Qaida gewonnen zu haben. Er sei eine Art Cheforganisator gewesen. Damaskus betrachtet den Verdächtigen, der als Zehnjähriger nach Deutschland kam, offenkundig als Syrer und hat deshalb deutsche Stellen nicht über seine Festnahme informiert.

Von Interesse für die Fahnder ist auch, ob er mit "Bär" al-Haili, der vor zwei Wochen in Marokko festgenommen wurde, Kontakte hatte. Angeblich ist dieser einer der vielen engen Vertrauten von Osama bin Laden. Er soll eine zentrale Rolle bei der Rekrutierung von Terroristen gespielt und zu neuen Terrorzellen Kontakt gehabt haben. Angeblich gehört er zu den 85 Topleuten der al-Qaida.