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Geheimdienste:Steinmeier ist bereit, riskante Operationen abzunicken

Die Geschichte dieser Operation beginnt um die Jahrtausendwende, und sie beginnt mit zwei Geheimdiensten, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Eine Revolution steht an, die Welt der Kommunikation verändert sich, Satelliten und das Telefon im Hausflur verlieren an Bedeutung, der Siegeszug des Internets und der Handys zeichnet sich ab. Weltumspannende Glasfaserkabel lenken die Datenströme. BND und NSA fürchten, mit der technischen Entwicklung nicht Schritt halten zu können, sie fürchten um ihren Zugriff auf die weltweite Kommunikation.

Neue Enthüllung aus Snowden-Dokumenten

NSA kann offenbar direkt auf Telekom-Netz zugreifen

Die Geheimdienste der USA und Großbritanniens sollen über verdeckte Zugänge in die Netze der Deutschen Telekom und des Kölner Anbieters Netcologne verfügen. Das berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf Snowden-Dokumente. Die betroffenen Firmen suchen nach der Zapfstelle - bisher ohne Erfolg.

Die NSA beherrscht die Technik, sie hat früh damit begonnen, in den USA Kabel anzuzapfen und die Daten in ihre Rechner abzuleiten. Der BND beherrscht diese Technik nicht, aber er hat etwas, was die NSA jetzt dringend und überall braucht - Zugang. Durch Deutschland laufen dank seiner zentralen Lage viele der Glasfaserkabel, im Datenverkehr geht es zu wie im Sommer auf den deutschen Autobahnen. Jeder muss hier durch.

In Berlin ist die erste rot-grüne Bundesregierung im Amt. Sie hat nach den Terroranschlägen vom September 2001 den Amerikanern "uneingeschränkte Solidarität" zugesichert. Steinmeier versteht sich sehr gut mit BND-Präsident August Hanning, und beide wollen die Zusammenarbeit mit den US-Geheimdiensten, vor allem mit der mächtigen NSA. Steinmeier ist bereit, auch riskante Operationen abzunicken, Hanning ist bereit, die Verantwortung zu übernehmen, wenn etwas auffliegt.

Die Abhörstation in Bad Aibling gibt's von den Amerikanern geschenkt

Es ist auch ein Geschäft. Die Deutschen bekommen die Technik, es sind die Vorläufer der von Edward Snowden enthüllten Prism- und X-Keyscore-Programme - und für manche müssen sie nicht einmal bezahlen. Auch nicht für die riesige Abhörstation in Bad Aibling, die ihnen die Amerikaner 2004 schenken wollen.

Die NSA soll im Gegenzug heimlich Zugriff auf den Frankfurter Knotenpunkt bekommen. Der war damals bereits ein Riese und ist heute der größte Internet-Hub der Welt. Frankfurt lässt sich gern als "Welthauptstadt des Internets" feiern, inzwischen wird der Datendurchsatz in Terabit pro Sekunde gemessen. Man muss es sich wie einen Kreisverkehr vorstellen: Die verschiedenen Netze sind die Straßen, der Knoten ist der Kreis in der Mitte. Nun kommen die Daten angefahren, nehmen eine Einfahrt, einen sogenannten Port, verlassen den Kreisverkehr über eine neue Ausfahrt - und sind in einem neuen Netz.

Ab 2005 wird in Frankfurt das Internet überwacht

Da wollen die Geheimdienste der Welt dabei sein. Am 28. April 2002 unterzeichnen Hanning und der damalige NSA-Chef Michael Hayden ein "Memorandum of Agreement" über die gemeinsame Zusammenarbeit. Mit Hilfe Bad Aiblings soll nach Taliban und Al-Qaida-Kämpfern in Afghanistan gefahndet werden, auch die Krisenregionen Nordafrikas wollen BND und NSA gemeinsam im Blick behalten.

CIA CIA stoppt angeblich Spionage in Europa
US-Geheimdienst

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Schon seit zwei Monaten dürfe der US-Auslandsgeheimdienst nicht mehr mit seinen Quellen in europäischen Staatsapparaten sprechen. Das behaupten US-Beamte. Die Pause soll demnach klären, ob sich diese Spionage überhaupt lohne.

Tatsächlich aber geht es im Voralpenland jetzt auch um etwas ganz anderes - die Daten aus Frankfurt sollen erfasst werden. Der BND beginnt 2003 mit der Probeerfassung, dann läuft das große Programm "data und dial" an, die "qualitativ und quantitativ hochwertige Aufklärung der internationalen Kommunikation."

Der in Frankfurt einlaufende Telefonverkehr wird ab 2004 überwacht, im November 2005 folgt die Internetüberwachung. Abgefangen werden die Millionen Daten mithilfe von US-Technik, die in der Main-Metropole installiert wurde.