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Geheimdienste:BND lieferte wichtige Berichte für Irak-Krieg

Die Rolle des BND im Irak-Krieg war wohl weit größer als bekannt: Die Informationen sollen dazu beigetragen haben, dass der Kriegsbeginn vorgezogen wurde.

Berichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) haben wohl eine bedeutende Rolle für den amerikanischen Einsatz im Irak-Krieg gespielt. Der Spiegel zitiert hochrangige US-Militärs, die die Relevanz des Geheimdienstes als hoch beschrieben. Die Informationen des BND seien "extrem wichtig und wertvoll" und "detailliert und zuverlässig" gewesen, sagte der ehemalige US-General James Marks dem Nachrichtenmagazin.

Bilder der Zerstörung: das Viertel Al-Mansour in Bagdad nach einem Angriff der US-Luftwaffe.

(Foto: Foto: AP)

Die BND-Berichte hätten dazu beigetragen, dass der Kriegsbeginn vorgezogen wurde und auch die Pläne für einen Überraschungsangriff auf den Bagdader Flughafen seien wegen des BND verworfen worden. "Wir haben den Informationen aus Deutschland stärker vertraut als denen der CIA", sagte Marks.

Die Informationen der Deutschen hätten als Teil der Lagebilder gedient, die Marks in Videokonferenzen dem Oberbefehlshaber der Invasionstruppen, Tommy Franks, und oft auch dem damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld vortrug.

Am 25. Februar 2003 meldeten laut Marks die BND-Agenten, dass möglicherweise die Ölanlagen in Dora von Saddam Hussein zerstört werden sollen - wie es beim ersten Irak-Krieg geschehen war. "Es liegen glaubwürdige Informationen vor, wonach die Ölpumpstation bei Kirkuk zur Sprengung vorbereitet wurde", meldeten die beiden BND-Agenten Anfang März. Eine Drohne lieferte dann am 19. März die ersten Bilder von brennenden Ölfeldern und bestätigte damit die Warnungen der Deutschen. Wenige Stunden später begann der Krieg - früher als geplant.

Auch Oberst Carol Stewart, die beim Aufklärungsstab des Central Command von Franks eingesetzt war, sagte dem Spiegel, die deutschen BND-Mitarbeiter hätten "exzellente Arbeit" geleistet. "Wer behauptet, dass diese Meldungen für die Kampfhandlungen keine Rolle gespielt hätten, lebt auf einem anderen Planeten."

Der BND bestreitet, kriegsrelevante Informationen weitergegeben zu haben. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der während des BND-Einsatzes Kanzleramtschef war, hat Kritik wegen des Einsatzes bislang stets zurückgewiesen. Es habe keine "aktive Unterstützung von Kampfhandlungen" gegeben.

Am kommenden Donnerstag ist Steinmeier als Zeuge vor den BND-Untersuchungsausschuss geladen. Der Ausschuss, der im April 2006 vom Bundestag eingesetzt wurde, soll aufklären, wie wichtig die Informationen des BND für die Kriegsführung der Amerikaner waren.

© sueddeutsche.de/sonn
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