bedeckt München 25°

Gefecht im Gelben Meer:Nordkorea beschießt den Süden

Eskalation in Korea: Der kommunistische Norden feuert Granaten auf eine südkoreanische Insel. Die Südkoreaner schießen zurück. Es soll einen Toten und Verletzte gegeben haben. Die Armee sei in höchster Alarmbereitschaft, heißt es in Seoul.

Noch am Montag hatte der US-Sonderbeauftragte Stephen Bosworth Nordkorea als Gefahr für die gesamte Region bezeichnet. Stunden später stellte das kommunistische Regime seine Gefährlichkeit unter Beweis: Das nordkoreanische Militär feuerte offenbar Artilleriegeschosse auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong ab. Nach Angaben südkoreanischer Medien gerieten auf der nur zwölf Kilometer vor der Küste des Nordens gelegenen Insel 60 bis 70 Häuser in Brand. Ein südkoreanischer Soldat sei bei dem Angriff getötet, weitere 14 verletzt worden.

Das südkoreanische Militär bestätigte entsprechende Berichte und erklärte, das Feuer sei erwidert worden. Das Verteidigungsministerium in Seoul habe die Armee in den höchsten Alarmzustand versetzt. Das Büro des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak erklärte, der Beschuss sei vermutlich eine Reaktion auf eine südkoreanische Militärübung. Der Präsident versuche alles, um eine weitere Eskalation des Zwischenfalls zu verhindern.

Nordkoreas engster Verbündeter China äußerte sich besorgt. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking forderte beide Seiten auf, den Frieden zu wahren. Auch die russische Regierung mahnte beide Länder zur Besonnenheit. Die Lage dürfe sich nicht verschärfen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau.

Am vergangenen Sonntag war die Existenz einer neuen nordkoreanischen Atomanlage zur Urananreicherung bekannt geworden. Uran kann je nach Grad der Anreicherung zivil oder für den Bau von Atombomben genutzt werden. Der US-Sonderbeauftragte Bosworth hatte das Vorgehen Nordkoreas als "provokanten Zug" gebrandmarkt. Es handle sich aber nicht um eine Krise, "wir sind nicht überrascht".

Der Norden erkennt die von den Vereinten Nationen zum Ende des Koreakrieges 1953 einseitig gezogene Seegrenze nicht an. In den vergangenen Jahren haben sich die beiden Länder mehrere Gefechte geliefert.

Im März sank die südkoreanischen Korvette Cheonan im Gelben Meer nahe der von Seoul kontrollierten Insel Baengnyeong nach einer starken Explosion, deren Ursache nicht festgestellt werden konnte. 46 südkoreanische Marineangehörige kamen bei dem Vorfall ums Leben.

Die Beziehungen zwischen Seoul und Pjöngjang waren in den vergangenen Jahren insbesondere wegen des nordkoreanischen Atomprogramms gespannt. Nordkorea hatte erstmals im Oktober 2006 und dann erneut im Mai 2009 Atomwaffen getestet.

Kurz vor dem zweiten Test war Nordkorea aus den sogenannten Sechser-Gesprächen mit Südkorea, China, den USA, Russland und Japan ausgestiegen. In den vergangenen Monaten signalisierte Pjöngjang allerdings wiederholt seine Bereitschaft, unter bestimmten Bedingungen an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

© sueddeutsche.de/afp/dapd/rtr/dpa/mikö/gba

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite