Süddeutsche Zeitung

Gefangenenaustausch in Nahost:Ägypten übergibt mutmaßlichen Spion an Israel

Noch ein Gefangenenaustausch in Nahost: Ägypten hat am Grenzübergang Taba den 27-jährigen Ilan Grapel übergeben. Er wird der Spionage verdächtigt. Im Gegenzug sollen 25 Ägypter freikommen, darunter auch drei Minderjährige - nach Angaben von Israel handelt es sich dabei um gewöhnliche Kriminelle.

Ägypten hat am Grenzübergang in dem ägyptischen Badeort Taba einen mutmaßlichen israelischen Spion an Israel übergeben. Das bestätigte ein ägyptischer Sicherheitsbeamter in dem Grenzort. Der 27-jährige Ilan Grapel war im vergangenen Juni unter dem Verdacht festgenommen worden, er spioniere für den israelischen Geheimdienst. Es kam jedoch nicht zu einem Prozess gegen ihn.

Der Student besitzt die israelische Staatsbürgerschaft und ist auch Bürger der USA. An den Verhandlungen um seine Freilassung war nach ägyptischen Angaben auch Washington beteiligt. Wenn der Gefangenenaustausch an diesem Donnerstagnachmittag wie geplant über die Bühne geht, verbleiben nach Angaben aus Kairo noch 56 Ägypter in israelischen Haftanstalten.

Augenzeugen an der Grenze sagten, die 25 ägyptischen Gefangenen, die von Israel im Gegenzug freigelassen werden sollten, seien noch nicht eingetroffen. An dem Grenzort haben sich Angehörige der Freigelassenen versammelt.

Drei der von Israel ausgetauschten Ägypter waren nach israelischen Angaben jünger als 18 Jahre alt. Dazu gehörte auch Ashraf Abdallah, dessen Angehörige auch an der Grenze warten. Er hatte sich nach Angaben von seinen Verwandten im Grenzgebiet verirrt und sei wegen illegalen Grenzübertritts ein Jahr lang von israelischen Behörden festgehalten worden.

In Israel hingegen heißt es, der Jugendliche sei des Drogenschmuggels verdächtigt worden. Auch bei den anderen Freigelassenen handele es sich nicht um politische Gefangene, sondern um gewöhnliche Kriminelle. Den meisten wird Schmuggel vorgeworfen.

In der vergangenen Woche hatte Israel den in den Gazastreifen verschleppten Soldaten Gilad Schalit gegen 477 palästinensische Häftlinge ausgetauscht. Noch vor Jahresende sollen, als Teil dieser Vereinbarung, weitere 550 Palästinenser freigelassen werden.

Israelische Luftwaffe fliegt Angriffe auf Gazastreifen

In der Nacht auf Donnerstag hat die israelische Luftwaffe Zeugenberichten zufolge mindestens drei Angriffe auf den Gazastreifen geflogen. Ziel der Attacken am Donnerstagmorgen seien Gebiete im Osten und Westen des Ortes Chan Junis sowie ein Stützpunkt der Essedin-El-Kassam-Brigaden gewesen, sagten Augenzeugen. Die Brigaden sind der bewaffnete Arm der radikalislamischen Hamas, die im Gazastreifen regiert.

Ein israelischer Armeesprecher bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, es seien drei "terroristische" Ziele sowie eine Waffenwerkstatt bombardiert worden. Verletzt worden sei niemand.

Zuvor war aus dem Gazastreifen erstmals seit dem großen Gefangenenaustausch eine Rakete auf Israel abgeschossen worden. Das Geschoss sei in der Nähe der Hafenstadt Aschdod südlich von Tel Aviv eingeschlagen, teilte das Militär mit. Es habe keine Opfer gegeben. Die gegenseitigen Angriffe beendeten mehrere Wochen der Ruhe.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1174762
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
dpa/hai/mati
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.