Gefangene in Nordkorea Otto Warmbier ist zurück in den USA

  • Der Student Otto Warmbier war an Silvester 2015 auf der Durchreise nach Hongkong in Pjöngjang.
  • Dort riss der heute 22-Jährige ein Propagandaplakat als Mitbringsel ab. Die nordkoreanischen Behörden werteten das als staatsfeindlichen Akt.
  • Warmbier wurde zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt. Offenbar gab es während der Haftzeit Komplikationen.

Der in Nordkorea inhaftierte US-Student Otto Warmbier ist frei und in den USA eingetroffen. Der 22-jährige traf am Dienstagabend im US-Bundesstaat Ohio ein. Warmbier war mit einem Krankenrücktransport nach Hause gebracht worden, da er laut seiner Eltern seit vergangenem Jahr im Koma liegt. Nach der Landung in Cincinnati wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Das US-Außenministerium hatte die Freilassung Warmbiers angeblich nach einer Initiative von US-Präsident Donald Trump erreicht.

Warmbier war 17 Monate lang in nordkoreanischer Gefangenschaft. "Unser Sohn kommt nach Hause", sagte Warmbiers Vater Fred der Washington Post.

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Otto Warmbier wurde im März 2016 in Pjöngjang zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt, weil er versucht hatte, im Personalbereich seines Hotels ein patriotisches Propagandabanner zu stehlen. Er fuhr zum Jahreswechsel in die nordkoreanische Hauptstadt. Der Trip war Teil einer Asienreise, die ihn einen Tag später für ein Auslandssemester nach Hongkong führen sollte. Die nordkoreanische Justiz stufte den Plakatabriss als staatsfeindliches Handeln ein.

Die Anhörung vor Gericht war der letzte öffentliche Auftritt des Studenten. Seinen schwedischen Anwälten - die USA unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea, weshalb die Stockholmer Vertretung die Vermittlungen vor Ort übernimmt - wurde nach der Verurteilung der Zugang zu ihm verwehrt. Seit etwa einem Jahr soll Warmbier US-Medien zufolge im Koma liegen. Seinen Eltern sei nach Angaben der Washington Post vor zwei Wochen mitgeteilt worden, dass er nach der Behandlung einer Fleischvergiftung und der anschließenden Gabe einer Schlaftablette nicht mehr aufgewacht sei.

Warmbiers Freilassung fiel mit dem Besuch des ehemaligen US-Basketballstar Dennis Rodman in Nordkorea zusammen. Rodman hatte bei seiner Ankunft erklärt, er wolle dort "eine Tür öffnen". Es war der fünfte Besuch des Sportlers in dem isolierten kommunistischen Staat.

Aktuell sitzen nunmehr noch drei weitere US-Amerikaner in Nordkorea in Haft: Tony Kim wurde Ende April 2017 am Flughafen von Pjöngjang festgenommen. Er forschte an der Universität für Wissenschaft und Technik Pjöngjang. Ihm wird Spionage vorgeworfen. Kim Hak-song, der ebenfalls an der privaten Bildungseinrichtung arbeitete, wurde Anfang Mai wegen "feindlicher Tätigkeiten" festgenommen. Der Unternehmer Kim Dong-chul wurde bereits im Herbst 2015 wegen Spionage verhaftet. Der kanadische Presbyterianer-Pastor Hyeon Soo-lim sitzt seit Februar 2015 in nordkoreanischer Haft.

Immer wieder hat Nordkorea US-Bürger verhaftet, um sie als Faustpfand für Verhandlungen mit den USA einzusetzen. Als 2009 zwei US-Journalistinnen wegen illegaler Einreise an der Grenze zu China verhaftet und zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt wurden, gelang es Pjöngjang, einen Besuch Bill Clintons für ihre Freilassung zu erwirken.

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