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Gefängnisreform in den USA:Trump trifft überraschend Kim

Donald Trump Kim Kardashian

Donald Trump und Kim Kardashian im Oval Office.

(Foto: Twitter)

Reality-Stars unter sich: Kim Kardashian besucht den US-Präsidenten im Weißen Haus. Mit einem ernsten Anliegen.

Im Jahr 2018 lässt sich durchaus von einem Gipfeltreffen sprechen: Im Weißen Haus begegneten sich immerhin der selbsternannte erfolgreichste Reality-TV-Star aller Zeiten und der erfolgreichste Reality-TV-Star, der nicht im Weißen Haus wohnt. Donald Trump, 71, empfing Kim Kardashian, 37.

Der Besuch war erst am Mittwochmorgen bekannt geworden und hatte soziale und Boulevardmedien in erhöhte Aufregung versetzt. Die bekannte Selbst-Vermarkterin Kardashian ist ja eigentlich Demokratin, aber mit dem jüngst zum Trump-Fan konvertierten Rapper Kanye West verheiratet.

Statt wie sonst ein Kamerateam ihrer Reality-Fernsehserie "Keeping up with the Kardashians" hatte sie in diesem Fall allerdings ein Anliegen mitgebracht: das Schicksal von Alice Johnson.

Die 62-jährige Afroamerikanerin sitzt bereits seit 21 Jahren im Gefängnis. 1996 wurde sie wegen Verwicklung in Drogengeschäfte zu lebenslanger Haft verurteilt, obwohl sie nicht einmal eine Vorstrafe hatte. Kardashian hatte von Johnsons Schicksal in einem Internet-Video erfahren. Ihr Geld für Konsum auszugeben, bereite ihr nicht mehr so viel Freude, erklärte die berufsprominente Unternehmerin in einem Interview. "Einmal im Jahr jemandem das Leben zu retten würde mein Herz mehr erfüllen."

Kim Kardashian im Weißen Haus

Kim Kardashian, Reality-Star und Model, am Sicherheitseingang des Weißen Hauses.

(Foto: dpa)

Kardashian wandte sich deshalb an Trumps Tochter Ivanka, die wiederum den Kontakt zu ihrem Ehemann Jared Kushner herstellte, der sie nach langen Verhandlungen einlud. Die Zeiten, in denen der Schwiegersohn als Allzweckwaffe der Regierung galt, sind zwar inzwischen vorbei; mit der Reform von Justiz- und Strafvollzug hat der 37-Jährige aber ein Projekt gefunden, das ihm am Herzen liegt. Anders als Kardashian kennt er das Thema nicht nur aus dem Internet, sondern aus der eigenen Familie: 2005 musste sein Vater, der Immobilienunternehmer Charles Kushner, wegen Steuerhinterziehung und illegaler Parteispenden 14 Monate ins Gefängnis.

Selbst Konservative fordern eine Reform

Aktivisten fordern schon lange eine Reform von Justiz- und Strafvollzug: Das über die Jahrzehnte immer strenger gewordene System, das auch von demokratischen Präsidenten wie Bill Clinton verschärft wurde, bestraft schon kleine Vergehen hart. Wer arm ist und/oder der afroamerikanischen und hispanischen Minderheit angehört, kann schnell für Kleinstverbrechen Jahrzehnte im Gefängnis sitzen, das oft von Privatfirmen profitorientiert betrieben wird.

Selbst die Koch-Brüder, konservative Mega-Spender und Präsidenten des gleichnamigen Milliardenkonzerns und der Milde unverdächtig, setzen sich für eine Liberalisierung ein - auch wenn Kritiker ihnen vorwerfen, eine lukrative private Resozialisierungsbranche aufbauen zu wollen.

Die Idee einer Reform hat auch im Kongress Anhänger in beiden Parteien, was selten genug ist. Wenn also konservative Spender und lagerübergreifend Abgeordnete dafür sind, wer sollte dann noch zwischen Jared Kushner und seinem ersten politischen Erfolg stehen?

Die Antwort lautet: Jeff Sessions. Der Justizminister stammt aus dem besonders einsperrfreudigen Alabama und ist bekannt für seine harte Linie. In einem monatelangen Kleinkrieg erreichte er bereits, dass eine Absenkung des Strafmaßes für kleine Vergehen vom Tisch ist - dabei hat er auch die Unterstützung Trumps, der sich als Verfechter von Recht und Ordnung präsentiert und schon mal laut von der Todesstrafe für Drogendealer träumt.

Ein von Kushner unterstützer Gesetzentwurf, der Häftlinge bereits im Gefängnis bessere Resozialisierungsprogramme bietet sowie verbesserte Haftbedingungen für Mütter vorsieht, hat theoretisch Aussichten auf Erfolg. Auch wenn er einigen Republikanern zu weit und einigen Demokraten nicht weit genug geht. Allerdings hat Sessions bereits intern angekündigt, im Falle einer Verabschiedung erst einmal ausführliche Studien zur Umsetzung in Auftrag zu geben und so die Einführung zu verzögern.

Komplizierte Gesetze, einfache Begnadigungen

Die Gemengelage bestätigt einmal mehr die Erkenntnis, die sich in dem im Stil einer TV-Show geführten Weißen Haus bereits länger durchgesetzt hat: Arbeit an Gesetzesvorhaben ist kompliziert, PR-trächtige Präsidenten-Entscheidungen dagegen bringen schnell viel Aufmerksamkeit.

Vor wenigen Tagen begnadigte Trump posthum den ersten Schwergewichtschampion Jack Johnson - auf Anraten von Sylvester Stallone. Und auch Kim Kardashians Anliegen hat offenbar gute Chancen. Via Twitter bedankte sich Kardashian bei Trump und erklärte, sie hoffe auf eine Begnadigung. "Wir sind optimistisch, was die Zukunft von Frau Johnson anbetrifft und hoffen, dass sie - und viele andere - eine zweite Chance im Leben erhalten wird." Mit einem weiteren Auftritt Kardashians in dieser Staffel der Trump-Show darf gerechnet werden.

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