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Gedenkfeier zum D-Day:Der kürzeste Tag der Diplomatie

Vladimir Putin, Barack Obama

70. Jahrestag des D-Day in Ouistreham, Frankreich: Putin und Obama auf einem geteilten Bildschirm

(Foto: AP)

Nur ein paar diplomatische Minuten wirft der 70. Jahrestag der Landung in der Normandie ab. Putin spricht mit dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko, und auch mit Obama soll es ein kurzes Treffen gegeben haben. Doch der Tag gehört der Geschichte.

Es ist eine rührende Szene, und eine großzügige dazu. Über eine halbe Stunde lang haben mehr als 400 professionelle Tänzer und Laien auf dem Strand von Ouistreham in der Normandie soeben den Horror des Krieges inszeniert. Sie haben kunstvoll die Geschichte des D-Days nacherzählt, haben Soldaten und Zivilisten, Tote wie Überlebende dargestellt. Nun treten, als zum Schluss die Europahymne ertönt, zwei alte Männer in den Mittelpunkt. Es sind Johannes Börner (89), der vor 70 Jahren als deutscher Besatzer in der Normandie kämpfte, und Léon Gautier (91), der französische Freiwillige, der am 6. Juni 1944 den Strand hinauf gestürmt war, um seine Nation befreien. Barack Obama und Wladimir Putin, François Hollande wie Angela Merkel - alle 8000 Zuschauer erheben sich und klatschen, während sich die beiden greisen Veteranen umarmen. Es ist dieses Signal der Versöhnung, das Frankreichs Regie ans Ende der seit dem Morgen währenden Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie setzt. Eine schöne Geste. Da wirkt, für einen Moment, die Macht der Bilder. So, wie schon immer Fotos und Filme die Saga vom D-Day geprägt haben, allen voran der Klassiker "Der längste Tag". Der reizt bis heute zu Wortspielen. Die Normandie, so raunt ein französischer Diplomat am Morgen, könne "den längsten Tag der Diplomatie" erleben. Es gebe die Chance, die Krise in der Ukraine und Russlands hegemoniale Allüren zu beraten.

Putin und Poroschenko kommen ins Gespräch

Doch daraus wird nichts. Nur ein paar diplomatische Minuten wirft der lange Tag ab. Gegen Mittag, da François Hollande seine hohen Gäste im prächtigen Schloss von Bénouville auf die Terrasse zum Familienfoto bittet, da passiert es. Auf dem Rückweg hinein zum Mittagessen begegnen sich am Seiteneingang der Russe Wladimir Putin und Petro Poroschenko, der neu gewählte Präsident der Ukraine. Angela Merkel steht daneben, sieht zu, wie die beiden Kontrahenten ins Gespräch kommen. Immerhin. Ein Zeichen des Friedens an einem Jahrestag des totalen Krieges? Wie belastbar der neue Dialog zwischen Putin und Poroschenko ist, müssen die Tage danach erweisen. Ein französischer Diplomat raunt den Journalisten später zu, die beiden Männer hätten "über eine Deeskalation" gesprochen. Und Putin habe erstmals die Wahl des Ukrainers anerkannt.

Auch ein anderer Kontakt begann in der Normandie. Aber er war noch kürzer. Ein Obama-Berater bestätigt am Nachmittag, sein Präsident habe für einige Augenblicke mit Putin gesprochen - "rein informell". Gesehen hat das niemand, das wollte Obama nicht. Der US-Präsident habe Russlands Staatschef zum Kurswechsel aufgefordert und andernfalls Konsequenzen angedeutet, erklärt sein Vize-Sicherheitsberater später.