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Weltweite Geberkonferenz:Gegen das Virus und den Egoismus

Streit um Impfstoff-Firma erreicht Kreis der G7-Staaten

Hightech-Forschung: Mindestens 7,5 Milliarden Euro soll an diesem Montag eine Geberkonferenz im Kampf gegen das Virus erbringen. (Symbolbild)

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Bei einer internationalen Konferenz am Montag sollen mindestens 7,5 Milliarden Euro für die Entwicklung von Arzneien und Diagnosemethoden zusammenkommen. Aber der Zugang zu Medikamenten und Impfstoffen birgt großes Konfliktpotenzial.

Von Karoline Meta Beisel

Das Coronavirus hat die ganze Welt befallen, gegen die Ausbreitung hat aber bisher jedes Land für sich gekämpft. Bei der Suche nach einem Impfstoff oder Medikamenten zur Behandlung von Covid-19 soll das anders sein. Bei einer weltweiten, online geführten Geberkonferenz sollen an diesem Montag mindestens 7,5 Milliarden Euro für die Entwicklung von Arzneien und Diagnosemethoden zusammenkommen. Eingeladen hat EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs von Ländern wie Deutschland, Frankreich und Saudi-Arabien, das gerade den G-20-Vorsitz inne hat. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Bill & Melinda-Gates-Stiftung und die Impfstoffallianz Gavi unterstützen die Konferenz. Man wolle einen Impfstoff "von der Welt für die Welt" entwickeln, schrieben die Regierungschefs am Wochenende in einem Gastbeitrag, der in mehreren europäischen Zeitungen erschien. "Wir verpflichten uns dazu, ihn für alle verfügbar, zugänglich und erschwinglich zu machen."

Ein ehrenvolles Versprechen - aber gerade der Zugang zu Medikamenten und Impfstoffen birgt riesiges Konfliktpotenzial: Schon zu Beginn der Corona-Krise wurde schnell klar, dass sich die Länder der Welt in erster Linie um die Versorgung ihrer eigenen Bürger kümmern. Auch Deutschland erließ zeitweise ein Exportverbot für Schutzausrüstung. Jetzt zeigen sich erneut egoistische Tendenzen. So gehört der französische Präsident Emmanuel Macron zwar zu den Organisatoren der Konferenz. Gleichzeitig erweiterte Frankreich aber erst Ende April die Liste mit Medikamenten, die nicht exportiert werden dürfen - etwa um das Präparat Remdesivir, das als vielversprechend in der Behandlung gilt.

Darum ist das Ziel, die Teilnehmer zu mehr Zusammenarbeit zu bewegen; für den Erfolg der Konferenz ist dies fast wichtiger als die Summe, die am Ende zusammenkommt: Es gelte, "nationalistische Tendenzen auf grausamem Niveau" zu vermeiden, sagt ein EU-Diplomat.

Gerade ärmeren Staaten bringt ein Impfstoff nichts, wenn sie sich ihn nicht leisten können

Wie die künftige Zusammenarbeit genau funktionieren soll, ist noch nicht ganz klar. Drei Partnerschaften soll die Konferenz hervorbringen, je eine für Impfstoffe, Medikamente und Corona-Tests. In jeder dieser Einheiten sollen Forscher mit Konzernen, Regierungen und anderen Geldgebern zusammenarbeiten. "Die Idee ist, die Institutionen zusammenzubringen, und sicherzustellen, dass sie die Ressourcen bekommen, die sie für ihre Arbeit benötigen", sagt der EU-Diplomat. "Aber es ist klar, dass da noch schwierige Fragen auf uns zukommen." So müsste in den Partnerschaften zum Beispiel geklärt werden, wie die beteiligten Konzerne später mit möglichen Lizenzierungsfragen umgehen: Gerade ärmeren Ländern bringt ein Impfstoff nichts, wenn sie ihn sich nicht leisten können. Dass die USA sich bislang nicht an der Initiative beteiligen, ist in Brüssel für manchen ein zusätzlicher Grund zur Sorge.

Der unmittelbare Erfolg der Konferenz wird wohl trotz alldem in Zahlen gemessen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte am Samstag in ihrem Podcast an, dass sich die Bundesrepublik mit einem "deutlichen finanziellen Beitrag" beteiligen werde. Um beim Sammeln am Montag nicht bei null anzufangen, hat die EU-Kommission außerdem angekündigt, dass Investitionen auch rückwirkend mitgezählt werden können, sofern sie nach dem 30. Januar getätigt wurden: An diesem Tag erklärte die WHO die Corona-Pandemie zu einer internationalen Notlage. Die 7,5 Milliarden seien sowieso nur ein Anfang: "In den kommenden Monaten und Jahren werden wir noch viel mehr Geld brauchen", sagt der Diplomat.

© SZ vom 04.05.2020/che
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