Gazastreifen Palästinenser tragen die Toten zu Grabe

Einer von 60: Trauernde tragen die Leiche eines jungen Mannes, der am Montag getötet worden sein soll, zur Beerdigung im Flüchtlingslager Nuseirat im Gazastreifen.

(Foto: dpa)
  • Bei massiven Konfrontationen im Grenzgebiet des Gazastreifens zu Israel sind am Montag palästinensischen Angaben zufolge 60 Menschen ums Leben gekommen. Auch ein Baby soll darunter sein.
  • An diesem Dienstag nehmen Tausende Menschen Abschied von den Toten.
  • Im Westjordanland kommt es zu neuen Auseinandersetzungen. Im Grenzgebiet des Gazastreifens werden die Proteste am Nachmittag massiver - ein Mann wird getötet.
Von Alexandra Föderl-Schmid, Gaza-Stadt

Der Montag war für die Palästinenser im Gazastreifen der blutigste Tag seit Ende des Gazakriegs 2014. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums kamen bei den heftigen Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten 60 Menschen ums Leben. Am Dienstag wurden im Gazastreifen die Toten beerdigt. Tausende begleiteten die in weiße Leinentücher gewickelten Männer, die am Tag zuvor bei den Protesten an der Grenze von israelischen Soldaten erschossen worden waren, zu den Moscheen. Es erschallten immer wieder Rufe "Tod Israel".

Nach Angaben des palästinensischen Innenministeriums in Gaza waren zehn der 60 Toten Hamas-Mitglieder. Die israelische Armee spricht von 24 getöteten Mitgliedern einer Terrororganisation. Als 60. Todesopfer sehen die Palästinenser ein acht Monate altes Mädchen. Es soll infolge von Tränengasbeschuss gestorben sein. Der Jerusalem Post zufolge war das Baby in einem Zeltcamp untergebracht, das die Protestierenden in einiger Entfernung zur Grenze errichtet hatte. Ein Sprecher der israelischen Armee äußerte der Haaretz zufolge Zweifel daran, dass tatsächlich Tränengas den Tod des Babys verursacht habe.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat nach den gewaltsamen Geschehnissen drei Tage Staatstrauer ausgerufen. Noch ist offen, welches Ausmaß die Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis an diesem Tag annehmen werden.

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Die Palästinenser gedenken der Flucht Hunderttausender aus dem heutigen Israel während des ersten Nahostkrieges. Die israelische Armee rüstet sich für Auseinandersetzungen an der Grenze.

Bei neuen Konfrontationen am Grenzzaun in Gaza wurden zwei Palästinenser erschossen. Die israelische Armee sprach von etwa 400 Menschen, die an gewaltsamen Protesten im Grenzgebiet beteiligt seien.

Bis zum frühen Nachmittag war es dort ruhig geblieben. Im Norden des Gazastreifens brannten zwei Barrikaden, einige Hundert Menschen hielten sich dort auf. Eine Gruppe Jugendlicher gab Auskunft, dass die Hamas angeordnet habe, an diesem Tag zu Hause zu bleiben, weil die Krankenhäuser schon zu voll mit Verletzten seien. Einige ließen mit brennbarer Flüssigkeit gefüllte Drachen steigen, die auf der israelischen Seite, wie schon am Vortag, mehrere Felder bei Mefalsim in Brand setzten.

Neue Zusammenstöße in Hebron, Ramallah und Jerusalem

Im Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt waren auch die Gänge mit Betten zugestellt, am Vortag waren mehr als 500 Verletzte hier eingeliefert worden - 18 davon starben. Der Chef der Notfallmedizin, Ayman Al-Sahabani, rechnet damit, dass sich die Zahl der Toten noch erhöhen werde, weil sich im gesamten Gazastreifen noch rund hundert Patienten in kritischem Zustand befinden.

Bei den Auseinandersetzungen am Montag waren dem Gesundheitsministerium in Gaza zufolge mehr als 2700 Menschen verletzt worden. Israelische Zeitungen nennen mittlerweile niedrigere Zahlen, die Jerusalem Post berichtet von etwa 2200 Verletzten, Haaretz von mehr als 1300.

Die Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften konzentrierten sich am Dienstag auf das Westjordanland, wo es in Hebron, Ramallah und bei Jerusalem zu Zusammenstößen kam. Um 12 Uhr heulten, so wie an jedem 15. Mai , im Westjordanland die Sirenen, um an Nakba, die Katastrophe, zu erinnern: dass etwa 750 000 Palästinenser im Zuge der israelischen Staatsgründung vor 70 Jahren vertrieben wurden oder fliehen mussten.

(Mit Material von dpa)

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