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Konfrontation mit Israel:Hohe Zahl von Schussverletzungen

Die gut zwei Dutzend Liegen in dem großen, blauen Zelt vor der Klinik sind leer. Das Zelt ist extra aufgestellt worden, weil im Gebäude nicht genug Platz war, um all die Verwundeten zu versorgen. Ein Krankenpfleger spritzt mit einem Gartenschlauch die Reste von Blut weg.

Einige Straßen weiter sitzen Menschen mit Verbänden vor einer Eingangstür auf einem Gehsteig und warten auf Einlass. Es ist eine Station von Ärzte ohne Grenzen. Seit Februar ist die in München aufgewachsene Elisabeth Gross Projektkoordinatorin. Die Organisation ist derzeit mit vier chirurgischen Notfallteams in drei Kliniken im Einsatz.

Lenkdrachen mit brennbarer Flüssigkeit hatten zwei Brände ausgelöst

Am Montag hätten die Teams statt einer Operation gleich 15 angesetzt und sich auf lebensrettende Maßnahmen konzentriert, berichtet Gross. In den vergangenen Wochen habe es sich bei Schussverletzungen vor allem um solche unterhalb der Hüfte gehandelt. Am Montag seien vermehrt Schüsse auch im oberen Körperbereich festgestellt worden: "Die Zahlen sind unglaublich hoch."

an der grenze im gazastreifen

An der Hose und dem T-Shirt sind noch die Blutflecken von den gestrigen Auseinandersetzungen zu sehen: Der 24-jährige Ezedin im Grenzgebiet zu Israel im Gazastreifen.

(Foto: Alexandra Föderl-Schmid)

Die Organisation habe seit Beginn der Proteste mehr Menschen als in den Gazakriegen 2008/09 und 2014 behandelt. Montag war der blutigste Tag seit Jahren. Er markierte gleichzeitig das 70. Jubiläum der Staatsgründung Israels und den Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas zog aus Protest gegen die Verlegung seinen Repräsentanten in Washington ab. Der palästinensische Außenminister Riad Malki sagte dazu: "Als sie (die USA) ihre Botschaft in Jerusalem eröffneten, war von unserer Seite eine Entscheidung nötig und dies war unsere Entscheidung."

Das israelische Militär gab am Dienstag bekannt, nach seinen Erkenntnissen seien mindestens 24 der 60 Getöteten Mitglied einer Terrororganisation wie Hamas oder Islamischer Dschihad. Am Dienstag wurden zwei Palästinenser von israelischen Soldaten getötet bei Protesten an der Grenze zwischen Gazastreifen und Israel. 4000 Palästinenser hätten sich beteiligt, teilte die israelische Armee mit, Soldaten seien mit Brandsätzen angegriffen worden. Auf israelischer Seite war deutlich weniger Militär und Grenzpolizei im Einsatz. Feuerwehren mussten zwei Brände löschen, die Lenkdrachen mit brennbarer Flüssigkeit aus dem Gazastreifen entzündet hatten. Dort brannten auch Barrikaden. Einer der jungen Leute, die sich etwa 150 Meter vom Grenzzaun entfernt versammelten, war 24-jährige Ezedin, sein T-Shirt mit der Aufschrift "Milano" ist noch blutverschmiert. Er berichtet, Hamas habe ihnen gesagt, zu Hause zu bleiben, die Krankenhäuser seien zu voll.

© SZ vom 16.05.2018/gal

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