Süddeutsche Zeitung

Gazastreifen:Eskalation im Nahostkonflikt - Tote auf beiden Seiten

  • Auslöser der erneuten Eskalation war eine Militäraktion israelischer Bodentruppen im Gazastreifen.
  • Seit Montagnachmittag werden mehr als 400 Raketen und Mörsergranaten in Richtung Israel abgefeuert. Ein Mensch kommt dabei ums Leben.
  • Die israelische Armee greift Ziele im Gazastreifen an. Palästinensischen Angaben zufolge sterben sechs Menschen.
  • Israel verstärkt seine Truppen im Süden des Landes.

Auch in den frühen Morgenstunden am Dienstag gab es in den Orten nördlich und östlich des Gazastreifens auf der israelischen Seite Raketenalarm: In der Nacht hatte es nur kurze Pausen gegeben. Mehr als 400 Raketen und Mörsergranaten seien seit Montagnachmittag Richtung Israel abgefeuert worden, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus im Gespräch mit Journalisten. Das ist die heftigste Welle seit dem Gazakrieg 2014.

In Ashkelon gab es den ersten Toten bei einem Raketenangriff auf ein vierstöckiges Haus. Bei dem Mann soll es sich um einen Palästinenser aus dem Westjordanland handeln. Zwei Frauen wurden schwer verletzt. Bei einem Angriff auf einen Bus, der zum Transport von Militärangehörigen benutzt wurde, wurde ein Soldat schwer verletzt. Auch in anderen Kommunen gab es Schäden an Gebäuden und Verletzte. Der Großteil der Geschosse sei vom Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden, versicherte der Armeesprecher.

Als Vergeltung bombardierte die israelische Armee rund 150 Ziele im Gazastreifen, sechs Palästinenser kamen dabei ums Leben. Der Armeesprecher betont, dass es sich um militärische Ziele handelte. Angegriffen wurde auch der Hamas-nahe TV-Sender Al-Aksa. Die Beschäftigten wurden vorab gewarnt, sie konnten das Gebäude verlassen. Zudem wurden Schiffe attackiert, die der Hamas gehören sollen.

Israel verstärkt Truppen im Süden des Landes

Die israelische Armee bereitet sich auf einen längeren Konflikt vor, die Truppen wurden im Süden des Landes verstärkt - Reservisten werden einberufen. Nach Einschätzung des Armeesprechers verfügen die militanten Organisationen im Gazastreifen über ein Arsenal "von rund 20 000 Geschossen, vielleicht mehr". Es sei eine Frage des Preises, den die Hamas bereit sei, zu zahlen.

Zuvor hatten die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas und der Islamische Dschihad Vergeltung für eine israelische Militäraktion geschworen. In der Nacht zum Montag war eine israelische Elitetruppe rund drei Kilometer tief in den Gazastreifen eingedrungen und von Hamas-Aktivisten entdeckt worden. Bei dem Schusswechsel wurde ein israelischer Offizier getötet, einer verletzt. Die Soldaten riefen die Luftwaffe zu Hilfe, die bombardierte das Gebiet. Sieben Palästinenser starben, einer war der stellvertretende Hamas-Kommandant Nur Baraka.

Zum Tod des israelischen Offiziers erklärte Premier Netanjahu: "Der Tag wird kommen, an dem das volle Ausmaß seines heroischen Handelns bekannt werden wird." Dass die Israelis versucht hätten, im Gazastreifen Informationen zu sammeln und aufflogen, gilt als wahrscheinlichster Grund der Operation.

Das israelische Sicherheitskabinett mit Premierminister Benjamin Netanjahu traf sich um neun Uhr Ortszeit, um das weitere Vorgehen zu beraten.

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SZ vom 13.11.2018/SZ.de/clli/dit/cat
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