US-Präsident Donald Trump hat eine Einigung auf eine „vollständige Entwaffnung“ der mit Israel verfeindeten Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen verkündet. Im Gegenzug würden die israelischen Streitkräfte aus dem Küstengebiet abziehen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Der genaue Zeitplan für die Umsetzung ist offen, ein Erfolg des Vorhabens fraglich.
So machte die Hamas nach Trumps Ankündigung ihre Entwaffnung von ersten Schritten Israels abhängig. Der an den Verhandlungen beteiligte Hamas-Vertreter Ghasi Hamad sagte, Israel müsse zunächst seine Angriffe im Gazastreifen beenden und seine Streitkräfte auf die Positionen vom Oktober zurückziehen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Ein israelischer Regierungsvertreter erklärte hingegen, Israel fordere die vollständige Entwaffnung als Vorbedingung.
Wenige Stunden nach Trumps Ankündigung wurden Rettungskräften zufolge mehrere Palästinenser bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen verletzt.
Obwohl seit Oktober 2025 formell eine Waffenruhe im Gaza-Krieg herrscht, kommt es immer wieder zu tödlichen Konfrontationen und Angriffen. Im Zuge eines von Trump vermittelten Friedensplans wurde zu Jahresbeginn ein international besetztes „Board of Peace“ ins Leben gerufen, das gemäß seiner Charta den Wiederaufbau des Gazastreifens und die Nachkriegsordnung in dem großflächig zerstörten Küstengebiet überwachen soll.
Sichtbare Fortschritte blieben bislang jedoch aus – zumal die Legitimität des ganz auf die Person Trumps und sein alleiniges Vetorecht zugeschnittenen Gremiums höchst umstritten ist: Viele europäische Staaten wie Deutschland sehen es als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen und lehnen es deswegen ab. Mit dabei sind etwa Israel und Länder wie Belarus, Katar, Saudi-Arabien und die Türkei.
Trump spricht von „monumentalem Schritt“
Als Knackpunkt bei den Gesprächen galt vor allem die in Trumps Friedensplan vorgesehene Entwaffnung der Hamas, die von den Extremisten bislang abgelehnt wurde. Nun verkündete der US-Präsident, die durch den „Friedensrat“ erzielte Einigung sei „ein monumentaler Schritt“ hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit. Auch alle anderen islamistischen Gruppen im Gazastreifen würden entwaffnet. Trump bezeichnete die Vereinbarung als „Meilenstein“ und dankte den Vermittlerstaaten Katar, Ägypten und Türkei.
Eine internationale Stabilisierungstruppe solle mit „einer neuen palästinensischen Polizei“ zusammenarbeiten, um die Sicherheit der Bewohner des Küstengebiets und der Nachbarn zu gewährleisten, schrieb Trump weiter. Israel solle die Garantie erhalten, dass der „Gazastreifen nicht länger als Basis für Terroranschläge missbraucht wird“.
Laut US-Kreisen und Quellen aus dem umstrittenen „Friedensrat“ soll die Hamas neben einer vollständigen Entwaffnung auch der Entmilitarisierung des Gazastreifens zugestimmt haben. Über Vermittler hätten die Islamisten „dem finalen Text des Zeitplans zugestimmt, wie er ihnen in unserer letzten Vermittlungssitzung vorgelegt wurde“, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Allerdings wurden in der Vergangenheit schon mehrere angebliche Durchbrüche verkündet, die später in sich zusammenfielen.
Hilfsorganisationen schlagen Alarm
Israel kontrolliert weiterhin mehr als die Hälfte des abgeriegelten Küstengebiets. Der Hamas gelang es seit Beginn der Waffenruhe aber, ihre Herrschaft im Rest des Gazastreifens wieder zu festigen.
Der Terrorangriff der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1200 Menschen in Israel ermordet und mehr als 250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden, hatte den verheerenden Gaza-Krieg ausgelöst. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde kamen seitdem mehr als 73 300 Palästinenser ums Leben – wobei die Zahl nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern unterscheidet. Israels Regierung und Militär weisen Vorwürfe zurück, Kriegsverbrechen oder einen Völkermord begangen zu haben.
Internationale Hilfsorganisationen schlagen weiterhin Alarm wegen der prekären humanitären Lage im Gazastreifen. Viele der rund zwei Millionen Einwohner sind angesichts der massiven Zerstörungen nach wie vor gezwungen, in überfüllten Zeltlagern zu leben, in denen es an vielen grundlegenden Dingen des täglichen Bedarfs fehlt.


