Israel und GazaZerstörung und Wut

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Menschen in Gaza-Stadt durchsuchen die Trümmer des Hochhauses, das Israels Armee zerstört hat. Als Grund nannte sie, Hamas  habe das Gebäude genutzt.
Menschen in Gaza-Stadt durchsuchen die Trümmer des Hochhauses, das Israels Armee zerstört hat. Als Grund nannte sie, Hamas  habe das Gebäude genutzt.
OMAR AL-QATTAA/AFP
  • Israel zerstörte am Wochenende mehrere Hochhäuser in Gaza-Stadt zur Vorbereitung einer geplanten Großoffensive, die bis zu einem Jahr dauern könnte.
  • Etwa eine Million Menschen befinden sich noch in Gaza-Stadt, obwohl Israel zur Evakuierung in eine bereits hoffnungslos überfüllte "humanitäre Zone" aufgerufen hat.
  • Zehntausende Israelis und Angehörige von Hamas-Geiseln protestierten am Wochenende gegen Netanjahus geplante Großoffensive und warfen ihm vor, Geiseln zu opfern.
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Kurz vor Beginn von Israels Großoffensive im Gazastreifen bombardiert die Armee Gaza-Stadt, wo noch immer etwa eine Million Menschen leben. Eine neue „humanitäre Zone“ im Süden gilt bereits als völlig überfüllt.

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Die israelische Armee hat am Wochenende vor ihrer erwarteten Großoffensive im nördlichen Gazastreifen mehrere Hochhäuser in Gaza-Stadt zerstört. In dem dicht besiedelten Gebiet in Gaza-Stadt haben rund eine Million Einwohner Schutz gesucht. Die Angriffe sollten nach Angaben der israelischen Armee der lokalen Bevölkerung auch signalisieren, Evakuierungswarnungen ernst zu nehmen, berichtete der israelische Fernsehsender 12. Nach Einschätzung der israelischen Streitkräfte haben jedoch bisher nur etwa 90 000 Einwohner die Stadt verlassen. Israelischen Medien zufolge könnte die geplante Großoffensive bis zu ein Jahr dauern.

Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge die Bevölkerung von Gaza-Stadt aufgefordert, das Gebiet zu verlassen und sich in ein Küstengebiet im südlichen Gazastreifen zu begeben, das sie als „humanitäre Zone“ ausgewiesen habe. Das Areal von al-Mawasi nahe Chan Yunis verfüge über wesentliche humanitäre Infrastruktur wie Feldkrankenhäuser, Wasserleitungen und Entsalzungsanlagen, teilte ein arabischsprachiger Armeesprecher auf X mit. Auch humanitäre Hilfe werde dorthin geliefert.

Doch die Zone gilt bereits als hoffnungslos überfüllt. Nach UN-Angaben hielten sich dort im Juni 2025 auf einer Fläche von rund neun Quadratkilometern 425 000 Menschen in riesigen Zeltlagern auf. UN-Organisationen beschreiben die Ausstattung mit Latrinen und Gemeinschaftstoiletten sowie die Müllentsorgung als nicht ausreichend. Auch die Kapazitäten der Feldkliniken seien für die große Zahl an Menschen ungenügend.

Zehntausende Israelis protestieren gegen das Vorgehen der Regierung

Die israelischen Streitkräfte gaben am Wochenende an, die Hochhäuser in Gaza-Stadt seien bombardiert worden, da sie zur Überwachung oder zum Beschuss von israelischen Truppen genutzt worden seien. Unter anderem hat Israels Luftwaffe ein Hochhaus in Gaza-Stadt bombardiert, das daraufhin einstürzte. Die israelische Armee erklärte, „Hamas-Terroristen“ hätten in dem Gebäude Technik und Beobachtungsposten installiert, „um die israelischen Truppen zu überwachen“. Verteidigungsminister Israel Katz veröffentlichte im Onlinedienst X ein Video des Angriffs und schrieb: „Wir machen weiter.“ Belege für ihre Aussage, das Hochhaus habe der Hamas als Beobachtungsposten gedient, lieferte die israelische Armee allerdings nicht.

Unterdessen protestierten Zehntausende Israelis zusammen mit Angehörigen von Hamas-Geiseln am Wochenende in Tel Aviv und in Jerusalem gegen die geplante Großoffensive. In flammenden Appellen sprachen Eltern, deren Söhne sich seit über 700 Tagen in Hamas-Gefangenschaft befinden. Sie warfen Premier Benjamin Netanjahu vor, ihre Angehörigen bereitwillig zu opfern, um an der Macht zu bleiben. Sie hielten Transparente mit der Aufschrift „Regierung des Todesschattens“ hoch und skandierten: „Warum sind sie noch in Gaza?“ Die Mütter der entführten israelischen Soldaten Matan Angrest und Nimrod Cohen sprachen vor Zehntausenden in Jerusalem und berichteten, Beamte des Verteidigungsministeriums hätten sie kontaktiert, um ihnen die Risiken der geplanten Großoffensive zu erklären. Mit jedem Tag werde die Gefahr für die Hamas-Geiseln im Gazastreifen zunehmen.

Vicky Cohen, Nimrods Mutter, warnte Netanjahu, dass sie, wenn ihrem gefangenen Sohn etwas zustoßen sollte, „dafür sorgen werde, dass Sie für den Rest Ihres Lebens keine Minute Ruhe haben“.

Auch Einav Zangauker, deren Sohn Matan in Gaza als Geisel gehalten wird, betrat die Bühne und argumentierte, dass Netanjahu der schlimmste Feind sei, dem die jüdische Nation je begegnet sei. „Das jüdische Volk hatte im Laufe der Geschichte viele Verfolger“, sagte Zangauker. „Pharao, Haman, sie haben Pogrome gegen uns verübt – aber du, Benjamin Netanjahu, überragst sie alle.“

Siebenhundertundein Tage seien vergangen, seit ihr Sohn Matan aus seinem Bett im Kibbuz Nir Oz entführt und in den Gazastreifen verschleppt wurde. Netanjahu warf sie vor, die israelische Gesellschaft zu spalten, Menschen gegeneinander aufzuwiegeln. Sein einziges Vermächtnis „ist das Massaker und das Scheitern vom 7. Oktober“, sagte Zangauker. „Aber Ihre Lügen werden uns nicht aufhalten.“

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