Die Tötung eines sechsjährigen Mädchens und mehrerer Rettungskräfte im Gazastreifen soll strafrechtlich untersucht werden. Dies gilt für weitere Fälle, bei denen der Verdacht bestehe, dass israelische Truppen Kriegsverbrechen begangen haben, teilte die Armee am Mittwoch mit. Die Ermittlungen zu einem tödlichen Angriff auf eine Gruppe humanitärer Helfer der Organisation „World Central Kitchen“ (WCK) sowie zwei weiteren bekannten Fälle werden hingegen eingestellt.
Ein unabhängiges Militärgremium für die Untersuchung ungewöhnlicher Vorfälle während des Gaza-Kriegs ist nach Militärangaben in fünf Fällen zu Entscheidungen gekommen. Sie gehören zu den prominentesten Fällen, bei denen Zivilisten im Gazastreifen durch Israel getötet wurden und hatten international für Aufmerksamkeit gesorgt.
Strafrechtlich untersucht werden sollen die Tötung der sechsjährigen Hind Rajab zusammen mit sechs Familienmitgliedern und zwei Sanitätern in Gaza im Januar 2024 sowie die Tötung von 15 Rettungskräften in Rafah im März 2025.
Soldaten hatten das Auto der palästinensischen Familie Hamada angegriffen und fünf Insassen getötet. Hind Rajab und ihre Cousine Lian Hamada überlebten zunächst. Jedoch feuerten Soldaten eine Granate auf einen eintreffenden Krankenwagen und töteten zwei Sanitäter. Später wurden auch die Leichen der beiden Kinder geborgen. Der Fall soll von der Militärpolizei weiter untersucht werden.

Im Fall der Tötung von 15 Rettungskräften durch einen Beschuss von Kranken- und Einsatzwagen sowie einem UN-Fahrzeug aus einem Hinterhalt liege ein „begründeter Verdacht auf eine Straftat“ vor. Die Militärpolizei soll den Fall weiter untersuchen.
Entlastet werden die Soldaten mit Blick auf den tödlichen Angriff auf WCK-Mitarbeiter im April 2024 mit sieben Toten, auf ein von Ärzte ohne Grenzen (MSF) genutztes Gebäude mit zwei Toten im Februar 2024 sowie die Tötung von zwei weiteren MSF-Mitgliedern im November 2023. Die Ermittlungen werden laut Armee eingestellt. Nach Angaben der Armee sind nach dem geltenden Mechanismus bisher rund 150 Vorfälle untersucht worden. Sie handelten im Rahmen der Verpflichtungen der Armee nach internationalem und nationalem Recht.
Nach Hind Rajab wurde in Belgien eine Stiftung benannt, die sich zum Ziel gesetzt hat, rechtlich gegen israelische Soldaten vorzugehen, die unter dem Verdacht stehen, an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein. International wurden Israel seit Beginn des durch den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 ausgelösten Krieg wiederholt Unverhältnismäßigkeit und Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung vorgeworfen.

