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Nahost:Israel greift Ziele im Gazastreifen an

PALESTINIAN-ISRAEL-CONFLICT-GAZA

Explosionen in Gaza Stadt am frühen Mittwochmorgen.

(Foto: MAHMUD HAMS/AFP)

Drei Wochen nach Beginn einer Waffenruhe reagiert die Armee damit auf Angriffe mit Brandballons auf israelisches Gebiet. Die neue Regierung unter Naftali Bennett zeigt sich zu einem harten Kurs entschlossen.

Von Paul-Anton Krüger, Genf

Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht Angriffe auf Ziele im Gazastreifen geflogen. Menschen kamen dabei in dem von der militanten Palästinenserorganisation Hamas kontrollierten Gebiet nicht zu Schaden. Mit dem Bombardement nur drei Tage nach ihrer Vereidigung zeigt sich die neue Regierung unter dem rechtsgerichteten Premierminister Naftali Bennett entschlossen, einen harten Kurs gegenüber der radikalislamistischen Gruppe einzuschlagen.

Die Streitkräfte reagierten mit den Angriffen auf Ballons mit Brandsätzen, die Palästinenser am Dienstag vom Gazastreifen aus Richtung Israel geschickt hatten. Nach Angaben der Feuerwehr entstanden dadurch mehr als 25 Brände in einem Wald und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Süden Israels. Das israelische Militär teilte mit, die Luftangriffe hätten militärischen Einrichtungen der Hamas in Gaza und Khan Yunis gegolten. Laut der Hamas wurde ein Trainingsgelände getroffen.

Die israelische Armee erklärte, sie sei auf alle Szenarien vorbereitet, "einschließlich der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten angesichts der fortgesetzten terroristischen Operationen aus dem Gazastreifen". Ein elftägiger militärischer Schlagabtausch zwischen der Hamas und Israel war erst vor dreieinhalb Wochen durch eine maßgeblich von Ägypten vermittelte Waffenruhe beendet worden.

In dem Krieg kamen mehr als 250 Palästinenser ums Leben, in Israel starben 13 Personen. Die Hamas und der mit ihr verbündete Islamische Dschihad feuerten Tausende Raketen auf Israel, von denen Hunderte auch den Großraum Tel Aviv trafen. Die Armee antwortete mit massiven Luftangriffen mit dem Ziel, die militärische Infrastruktur der Hamas zu zerstören.

Die Hamas verzichtete darauf, erneut auf Israel zu feuern

Die Hamas hatte ihrerseits gedroht, auf einen Marsch nationalistischer Israelis durch Jerusalem mit Gewalt zu antworten. Sie verzichtete dann zwar darauf, erneut Raketen auf Israel zu feuern. Militante Palästinenser ließen allerdings die Ballons steigen. Einer von ihnen soll auch einen Sprengsatz transportiert haben, der über einem Kindergarten in der Nähe von Sderot in der Luft explodiert sei.

Bei dem Flaggenmarsch zogen am Mittwochabend etwa 5000 Teilnehmer begleitet von einem Aufgebot von mehr als 2000 Polizisten durch den Ostteil Jerusalems, den die Palästinenser als Hauptstadt beanspruchen. Mit der Parade, die ursprünglich am 10. Mai hätte abgehalten werden sollen, erinnern die Organisatoren an die Eroberung der Stadt durch israelische Truppen im Sechstagekrieg 1967. Israel betrachtet Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt, was international überwiegend nicht anerkannt wird.

Die ultranationalistischen Siedler durften sich vor dem Damaskustor versammeln, dem Eingang zum muslimischen Viertel der Altstadt, das überwiegend von Palästinensern bewohnt wird. In der Nähe protestierten Tausende Palästinenser, die sich durch den Marsch provoziert sahen. Bei Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen und der Polizei wurden 27 Menschen verletzt, die Polizei nahm 17 Palästinenser fest. Sie hatte die Route durch das Jaffa-Tor zur Klagemauer zuvor geräumt und abgesperrt. Der neue Minister für öffentliche Sicherheit, Omer Bar-Lev, hatte zwar erlaubt, die Parade abzuhalten, nicht aber mitten durch das muslimische Viertel zu ziehen.

Die Hamas hatte ihr Raketenfeuer unter anderem mit dem Marsch begründet, zudem mit dem harten Vorgehen der israelischen Polizei gegen Palästinenser an der Al-Aqsa-Moschee während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und der Lage in Scheich Dscharrah im Ostteil der Stadt. Siedler klagen vor israelischen Gerichten auf die Zwangsräumung von Häusern dort, in denen seit Jahrzehnten palästinensische Familien leben.

© SZ/liv
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