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Gauck-Nachfolge:Merkel sucht die schwarz-grüne Lösung

Merkel beginnt deshalb, sich offensiv um eine schwarz-grüne Lösung zu bemühen. Die Kanzlerin möchte jetzt Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann auf den Schild heben. Doch schon an diesem 7. November wird klar, dass es in der CSU erhebliche Vorbehalte gegen den Grünen gibt.

Bei einem Treffen der Spitzen der CSU-Landtagsfraktion und der CSU-Landesgruppe zeigt sich, dass viele CSU-Abgeordnete bei einer Wahl zwischen Kretschmann und Steinmeier eher für den Außenminister stimmen würden. Ein Votum für Kretschmann würde den geplanten Anti-Rot-Rot-Grün-Wahlkampf der Union unglaubwürdig machen, finden sie bei der CSU. Außerdem schätzt die Partei Steinmeier, auch wegen seiner Russland-Politik.

Am 9. November ruft Seehofer die CSU-Spitze zu einer Telefonkonferenz. Das Ergebnis ist eindeutig: Die CSU wird Kretschmann nicht mittragen. Der Kanzlerin ist jetzt klar, dass ihr Einsatz für den Grünen gescheitert ist. Tags darauf ruft sie in ihrer Not Marianne Birthler an.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hatte die Frau intern schon vor vielen Wochen vorgeschlagen. Ein Emissär hatte Birthler im Oktober in der Reha-Klinik besucht, in der sie sich nach einer Knie-Operation erholte. Birthler zeigte damals kein sonderliches Interesse, wollte aber auch nicht endgültig absagen, heißt es. Schon damals stellen aber manche mit Interesse fest, dass Birthler den Aufruf von DDR-Bürgerrechtlern für die Wahl Lammerts zum Bundespräsidenten nicht unterschreibt. Ist das ein Zeichen, dass sie doch will?

Birthler ist prinzipiell bereit - erbittet sich aber Bedenkzeit

Als Merkel Birthler anruft, signalisiert diese tatsächlich ihre prinzipielle Bereitschaft zu einer Kandidatur, erbittet sich aber Bedenkzeit. Merkel schließt sich mit Seehofer kurz. Der CSU-Chef lehnt Birthler nicht kategorisch ab, anders als Kretschmann ist sie bei den Grünen politisch nicht mehr aktiv. Seehofer möchte Birthler aber noch zu ihren aktuellen Positionen - etwa in der Russland- oder Flüchtlingspolitik - befragen.

Merkel und Seehofer vereinbaren, dass das die Spitzen von CDU und CSU gemeinsam machen sollen. Am 12. November fliegt Steinmeier zu Seehofer. Die beiden besprechen sich in der Staatskanzlei. Dabei informiert Seehofer den Außenminister auch über die Variante Birthler. Später am Tag berät sich der CSU-Chef am Rande des Augsburger Presseballs auch mit seinem Vor-Vor-Vorgänger Theo Waigel - der goutiert die Idee, mit Birthler zu reden.

Es läuft also gar nicht schlecht für Merkel. Doch am nächsten Tag ruft Birthler bei der Kanzlerin an, sagt ab - und Steinmeier gewinnt.