Gauck nach Anschlägen in Frankreich:"Was für eine Pervertierung von Religion"

Gauck nach Anschlägen in Frankreich: Bundespräsident Gauck spricht bei der Mahnwache am Brandenburger Tor in Berlin.

Bundespräsident Gauck spricht bei der Mahnwache am Brandenburger Tor in Berlin.

(Foto: AFP)
  • "Zusammen stehen - Gesicht zeigen" - auf Initiative des Zentralrats der Muslime trafen sich etwa 10 000 Bürger in Berlin zu einer Mahnwache gegen islamistischen Terrorismus.
  • Die Polizei hatte die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.
  • Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck nahmen teil - das Staatsoberhaupt warf den Tätern von Frankreich eine "Pervertierung von Religion" vor.

"Zusammen stehen - Gesicht zeigen"

Als Reaktion auf die Anschläge von Frankreich sind in Berlin Vertreter aus Politik und Religion sowie zahlreiche Bürger am Brandenburger Tor zu einer Mahnwache zusammengekommen, um gegen islamistische Gewalt und eine Spaltung der Gesellschaft zu demonstrieren. Das Motto der Veranstaltung lautete "Für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland und für Meinungs- und Religionsfreiheit". Auf der Ostseite des Tores war dafür eine Bühne mit großen Lautsprechern aufgebaut.

Mit einer Kranzniederlegung vor der Französischen Botschaft begann die Kundgebung, an der laut Polizei etwa 10 000 Menschen teilnahmen, davor war noch von 3000 Teilnehmern die Rede. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, gedachte im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel der Opfer des jüngsten islamistischen Terrors.

"Wir werden es nicht zulassen, dass unser Glaube missbraucht wird. Wir werden es nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft von Extremisten, die nur das Ziel haben, Hass und Zwietracht zu stiften, auseinandergerissen wird", sagte Mayzek in seiner Rede. Mit ihrer Tat hätten die Terroristen "die größte Gotteslästerung" begangen.

"Was für ein Missbrauch"

Bundespräsident Gauck sagte in diesem Zusammenhang: "Was für ein Missbrauch! Was für eine Pervertierung von Religion!" Das Ziel der Angreifer in Frankreich sei es gewesen, offene Gesellschaften zu spalten. "Erreicht haben sie das Gegenteil", sagte Gauck. "Ich danke den muslimischen Gemeinschaften und allen Muslimen, die hier und heute sagen: 'Terror, nicht in unserem Namen!'" Dies sei ein "patriotisches Ja" zu Deutschland, fügte der Bundespräsident hinzu.

In Berlin sprachen auch Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche sowie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, warnte vor einer "immer stärkeren Radikalisierung" des Islam etwa in Asien, Afrika sowie im Nahen Osten. "Die gesamte Welt, vor allem aber die Muslime selbst sind daher aufgerufen, gegen diesen Terrorismus vorzugehen", sagte Lehrer. Aber auch in Deutschland sei die muslimische Gemeinschaft gefordert. "Antisemitismus unter vor allem jungen Muslimen darf nicht einfach hingenommen werden", forderte Lehrer und rief dazu auf, den "schädlichen Einfluss vieler Fernsehsender aus dem arabischen Raum und des Internets" zu bekämpfen.

Der Zentralrat der Muslime (ZMD) hatte zusammen mit der Türkischen Gemeinde Berlin (TGB) zu der Aktion aufgerufen, um für ein friedliches Miteinander der Religionen zu werben. Ordner trugen Buttons mit dem Motto: "Zusammen stehen - Gesicht zeigen."

Die Polizei hatte verstärkte Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Mehrere Teams von Scharfschützen der Polizei sicherten den Pariser Platz. Andere Polizisten bauten auf dem Platz Absperrungen auf.

Merkel stimmt Aussage zu: "Islam gehört zu Deutschland"

Unter den Gästen war auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, der den Satz prägte: "Der Islam gehört zu Deutschland." Merkel hatte dieser Aussage vergangenen Montag zugestimmt: "Der frühere Bundespräsident Wulff hat gesagt, der Islam gehört zu Deutschland. Das ist so. Dieser Meinung bin ich auch."

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