bedeckt München 23°

Gastbeitrag von Michael Buback:Seit 30 Jahren nichts gehört

Zeugenaussagen nach dem Mord an Siegfried Buback sprechen für eine Frau als Täterin - die Hinweise wurden ignoriert.

Diesen dritten Beitrag in der Süddeutschen Zeitung innerhalb von drei Monaten schreibe ich, obwohl ich bemerkt habe, wie schwer es ist, sich verständlich zu machen. Aus meinem ersten Beitrag wurde gelesen, ich sei gegen einen Gnadenerweis für Christian Klar, aus dem zweiten, ich sei für eine Begnadigung. Beides trifft nicht zu, denn ich bin völlig neutral in dieser Frage und habe zu keiner Zeit versucht, dem Bundespräsidenten meine Meinung aufzudrängen. Er hat allein zu entscheiden, und er weiß von mir, dass ich jede Entscheidung respektiere. Das Gnadengesuch Klars betraf nie mein zentrales Anliegen. Ich wollte wissen, wer Wolfgang Göbel, Georg Wurster und meinen Vater am Gründonnerstag 1977 erschossen hat. Art und Umfang des Tatbeitrags von Herrn Klar, falls überhaupt ermittelbar, hätten vermutlich gar keinen Einfluss auf das Gnadenverfahren und auch keinerlei Auswirkung auf die verhängte Strafe.

Rote Armee Fraktion

Die Opfer, die Täter, der Terror

Mein persönliches Anliegen, zu erfahren, wer meinen Vater und seine Begleiter getötet hat, hatte ich öffentlich gemacht und konnte, nachdem Herr Boock dieses Anliegen gehört und verstanden hatte, nicht einfach das Telefon auflegen, als er sich bei mir meldete. Ich weiß, dass für viele der Gedanke, mit einem Mörder zu sprechen, unerträglich ist, aber ich hatte keine andere Wahl, wenn ich Kenntnisse erhalten wollte. Natürlich musste ich damit rechnen, dass Herr Boock eventuell andere Interessen verfolgte. Viele sagten mir, er habe doch oft die Unwahrheit gesagt. Ich meine, dass es nicht so einfach ist, über Stunden im Gespräch mit einem Angehörigen, der doch manches weiß, zu lügen. Ein besonders wichtiger Aspekt bei der Einschätzung der Glaubwürdigkeit war für mich, dass Herr Boock nicht versuchte, Günter Sonnenberg als den Schützen darzustellen. Dies hätte eine besonders einfache Lösung ermöglicht. Ich hätte den Namen des vermeintlichen Täters, und Herr Sonnenberg, der bei seiner Festnahme eine schwere Kopfverletzung erlitt, könnte wohl nicht mehr belangt werden.

Es war mir klar, dass ich von Herrn Boock keine Primärinformationen erhalten konnte, da er, wie er mir auf meine Nachfrage sagte, an der Tat am Gründonnerstag nicht beteiligt war. Seine Kenntnisse bezieht er vor allem aus seiner Teilnahme an den Vorbereitungen der Attentate, die bereits 1976 im Jemen erfolgten. Dort waren nach seinen Angaben Sonnenberg und Wisniewski als Täter vorgesehen. Er habe dann später nochmals nachgefragt und aus der Antwort geschlossen, dass die Tat wie vorgesehen ausgeführt worden war. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass Herr Boock die Antwort unzutreffend interpretiert hat oder dass er getäuscht wurde.