Kaufhäuser:Warum Berlin weitere Staatshilfen für Galeria ablehnt

Lesezeit: 2 min

Kaufhäuser: Passanten spazieren an der Galeria-Filiale in Berlin Tegel vorbei.

Passanten spazieren an der Galeria-Filiale in Berlin Tegel vorbei.

(Foto: Michele Tantussi/REUTERS)

Das Kaufhausunternehmen muss schon wieder Insolvenz anmelden. Nun könnte jede dritte Filiale schließen, viele Jobs stehen auf dem Spiel.

Von Caspar Busse und Claus Hulverscheidt, Berlin

Die Zukunft von Deutschlands letztem großen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof ist offener denn je zuvor. Anfang dieser Woche meldete das Unternehmen erneut Insolvenz an, zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren, und hofft nun auf eine Sanierung in Eigenverwaltung mithilfe eines sogenannten Schutzschirmverfahrens. Geplant ist nach Angaben des Unternehmens unter anderem, mindestens ein Drittel der derzeit noch 131 Filialen in Deutschland aufzugeben, das wären 44 Standorte oder mehr. Dabei werde es auch Kündigungen geben, hieß es. Galeria hat derzeit gut 17 000 Beschäftigte.

Die Geschäfte laufen schon lange schlecht, zuletzt auch wegen der hohen Inflation und der gestiegenen Energiepreise. Deshalb hatte Galeria erneut um staatliche Unterstützung gebeten. Der österreichische Immobilienunternehmer René Benko ist über seine Signa Holding Eigentümer des Konzerns. Nach SZ-Informationen hatten sich aber er und die Bundesregierung zuvor nicht auf die Bedingungen für neuerliche Staatshilfen einigen können. Aus Sicht der Regierung ist das Geschäftsmodell des Konzerns ohne größere Umbauten nicht zukunftsfähig. Zudem war Benko offenbar nicht dazu bereit, einen bedeutenden Teil der finanziellen Lücke mit eigenen Mitteln zu schließen. Eine Beteiligung des Eigentümers gilt aber als Voraussetzung für die Unterstützung.

Galeria war 2019 aus der von Benko betriebenen Fusion der Konkurrenten Kaufhof und Karstadt entstanden und hatte sich schon 2021 mit dem Bund auf Staatshilfen verständigt. Insgesamt stellte der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) dem Traditionsunternehmen in zwei Hilfsaktionen bereits 680 Millionen Euro zur Verfügung. Die hartnäckige Ablehnung weiterer Hilfen der beteiligten Ministerien und die Insolvenz bergen nun allerdings die Gefahr, dass der Staat einen Teil seiner bisher gewährten Hilfen abschreiben muss. So hatte er dem Unternehmen unter anderem ein sogenanntes Nachrangdarlehen in Höhe von 460 Millionen Euro gewährt, das dem Gläubiger in einem Insolvenzverfahren nur sehr geringe Ansprüche einräumt.

"Alles, wirklich alles" soll nun auf den Prüfstand

"Es ist erneut unsere Pflicht, alles, wirklich alles in den kommenden Wochen auf den Prüfstand zu stellen", teilte Galeria-Chef Miguel Müllenbach in einem Brief an die Mitarbeitenden mit und fügte an: "Galeria ist zukunftsfähig." Der Konzern werde weiter eine wesentliche Funktion für die deutschen Innenstädte wahrnehmen. Schon 2020 gab es tiefe Einschnitte. Im Geschäftsjahr 2020/21 lag der Verlust bei einem Umsatz von 2,1 Milliarden Euro bei 622 Millionen Euro, vor allem der Corona-Lockdown traf Galeria hart. Benkos Signa-Gruppe gehören viele Kaufhaus-Immobilien, der Warenhauskonzern Galeria zahlt Mieten an Signa.

"Die Wut und die Enttäuschung ist groß bei unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort", sagte Stefanie Nutzenberger von der Gewerkschaft Verdi . Es gehe jetzt darum, "möglichst jeden Arbeitsplatz zu erhalten". Als Sanierer wurde der Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz bestimmt, er wickelte als Insolvenzverwalter auch die Drogeriekette Schlecker ab.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusRené Benko
:Würden Sie diesem Mann Ihr Geld anvertrauen?

Schon wieder will der umstrittene österreichische Immobilienhändler Hilfe vom deutschen Staat für Galeria Karstadt Kaufhof. Der Widerstand dagegen ist groß, und auch Investoren beginnen zu zweifeln.

Lesen Sie mehr zum Thema