Gabun Ausgebeutet

Der gescheiterte Putsch in dem zentralafrikanischen Gabun weist auf das tiefer liegende Problem hin: Die Bevölkerung des eigentlich sehr reichen Landes lebt in Armut.

Von BERND DÖRRIES

Putschisten erzählen meist von ziemlich ehrenwerten Motiven, von Gerechtigkeit und Demokratie, während sie eine Waffe in der Hand halten und ziemlich undemokratische Sachen machen. Man weiß nicht, was aus den Putschisten im zentralafrikanischen Gabun geworden wäre, wenn ihr Coup d'État geglückt und nicht nach wenigen Stunden schon gescheitert wäre.

Skepsis ist angebracht, aber man kann diesen naiven Auftritt der fünf jungen Verschwörer durchaus auch als Hilferuf verstehen, aus einem Land, das nun seit fünf Jahrzehnten von derselben Familie ausgebeutet wird, ohne dass sich in Europa groß jemand daran stört. Mehr als dreißig Immobilien soll die Familie von Präsident Ali Bongo alleine in Paris besitzen, der Hauptstadt der ehemaligen Kolonialmacht, alles legal, alles kein Skandal.

Unabhängigkeit im Fall Gabuns heißt, man hat die Ausbeutung des Landes nun lokalen Kräften überlassen. Die kolonialen Strukturen sind aber noch da, das Öl ist französischen Staatskonzernen wichtiger als Demokratie und Bekämpfung der Armut. Gabun ist ein eigentlich sehr reiches Land, mit sehr vielen Armen. Es ist ein Rätsel, warum aus Europa Entwicklungshilfe nach Gabun fließt, in Projekte, die sich das Land selber leisten könnte. Dessen Regime aber lieber Wohnungen in Paris kauft.