Kaiser's Tengelmann Gabriel will Ende des Tengelmann-Streits erzwingen

Am Montag sagte Wirtschaftsminister Gabriel, es gebe einen Kompromiss zwischen Kaiser's Tengelmann, Edeka und Rewe.

(Foto: dpa)

Der Wirtschaftsminister ist bereit, das Ringen um Kaiser's Tengelmann auf dieselbe Weise zu Ende zu bringen, wie er das ganze Verfahren geführt hat: mit hohem Risiko.

Kommentar von Nico Fried

Sigmar Gabriel hat die Schlichtung im Streit um Kaiser's Tengelmann als erfolgreich abgeschlossen bezeichnet. Er hat sich erleichtert gezeigt und ein wenig feiern lassen. Vor allem aber hat der Wirtschaftsminister 15 000 Arbeitsplätze auf sieben Jahre hinaus für gerettet erklärt und den Angestellten der Supermarktkette ein ruhiges Weihnachten versprochen. Danach brach er nach China auf, während zu Hause viele Fragen blieben. Deshalb darf man vermuten, dass Gabriels Auftritt noch nicht der wirkliche Schluss des Dramas war, sondern seine spezielle Art, diesen Schluss endgültig herbeizuzwingen.

Mit seiner ebenso frohen wie frühen Botschaft für "Verkäuferinnen, Fleischer, Lagerarbeiter, Logistiker, Angestellte" von Kaiser's Tengelmann ist Gabriel noch einmal aufs Ganze gegangen: Er hat den Druck auf die Beteiligten maximal erhöht. Wenn der Kompromiss jetzt wieder platzt, so wie die letzte Verständigung vor wenigen Wochen, dann hängt - neben Gabriel - der verantwortliche Konzern mit drin, sei es Edeka oder Rewe oder Kaiser's Tengelmann.

Diesmal würde sich die adventlich verstärkte Emotion, die der Minister heraufbeschworen hat, mit voller Wucht gegen den Übeltäter wenden. Das dürfte sich ein Einzelhandelskonzern, der für das Weihnachtsgeschäft der Filialen schon tonnenweise Tiefkühlgänse und Spekulatius geordert hat, gut überlegen.

Gabriel ist bereit, das Ringen zwischen den Supermarktketten auf dieselbe Weise zu Ende zu bringen, wie er das ganze Verfahren geführt hat: mit hohem Risiko. Anders als sein Vorgänger von der FDP, der im Fall Schlecker dem Markt die Entscheidung überließ, griff Gabriel mit Macht in das Geschäft ein.

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Eine Schlichtungsrunde mit lauter ausgeprägten Egos

Von Beginn an führte der Minister auch das SPD-Parteibuch in der Tasche mit. Politisch war sein Handeln mutig. Wie es rechtlich zu beurteilen war, bleibt ungeklärt, wenn der im Bieterwettbewerb unterlegene Rewe-Konzern wie verabredet seine Klage zurückzieht.

Gabriels Einsatz ist auch gegen jene gerichtet, die den Kompromiss, wenn er Bestand hat, noch billigen müssen, wie das Bundeskartellamt. Würden sich die Beamten trauen, Verkäuferinnen, Fleischer, Lagerarbeiter, Logistiker in eine neue Runde der Angst zu schicken?

Politik ist eben auch Psychologie, und das Gespür für Stimmungen ist eine der besonders großen Ähnlichkeiten, die Gabriel mit dem vorerst letzten SPD-Kanzler Gerhard Schröder verbinden. Der war im Übrigen der ideale Schlichter: Ein Altkanzler mit ausgeprägtem Ego - mit einem Vermittler dieser Kategorie fühlten sich die ausgeprägten Egos der Konzernchefs ernst genommen.

Wenn der Kompromiss hält, hat ausgerechnet der Agenda-Kanzler auch einen wichtigen Beitrag zur Aussöhnung von SPD und Gewerkschaften geleistet. Groß klang das Lob des Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske für den einst so massiv bekämpften Schröder und geradezu überschwänglich der Dank für den Wirtschaftsminister und SPD-Chef Gabriel. Damit ist noch ein Arbeitsplatz gesichert worden, wenn auch nicht für sieben Jahre.

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