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Coronakrise:Deutschland verspricht globale Impf-Hilfe

G7-Gipfel - Pressekonferenz Merkel

"Eine elementare Frage der Gerechtigkeit": Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach am Freitag ärmeren Ländern Unterstützung bei der Impfstoff-Beschaffung.

(Foto: Annegret Hilse/dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt auf dem virtuellen G-7-Treffen 1,5 Milliarden Euro für die internationale Bekämpfung der Covid-Pandemie zu.

Von Nico Fried

Es war ein Treffen mit einigen neuen Gesichtern für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Denn an der Videokonferenz der G7-Staaten am Freitag unter dem Vorsitz des britischen Premierministers Boris Johnson nahmen erstmals US-Präsident Joe Biden teil, der italienische Ministerpräsident Mario Draghi und der neue japanische Premierminister Yoshihide Suga. Merkel sagte anschließend, vor allem nach dem Regierungswechsel in Washington werde der Multilateralismus wieder eine Chance bekommen. Das habe sich schon an den Entscheidungen der Biden-Administration gezeigt, wieder dem Pariser Klimaabkommen und der Weltgesundheitsorganisation WHO beizutreten.

Auch am Freitag habe man sich "konstruktiv ausgetauscht", sagte Merkel. "Das freut mich ganz besonders." Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, "wie wir voneinander abhängig sind". Deshalb sei es ein "guter Auftakt" der britischen G7-Präsidentschaft gewesen, sagte die Kanzlerin.

Merkel sagte weitere 1,5 Milliarden Euro für die Bekämpfung der Covid-Pandemie zu. Davon soll nach Angaben des Entwicklungshilfeministeriums rund eine Milliarde an die internationale Impf-Initiative Covax gehen. Sie hat das Ziel, bis Ende des Jahres 20 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern zu immunisieren. Deutschland ist nun laut Merkel der größte Geldgeber für die internationale Impf-Allianz, noch vor den Vereinigten Staaten von Amerika. "Alle müssen teilhaben", so die Kanzlerin. Das sei "eine elementare Frage der Gerechtigkeit." Die Pandemie sei erst besiegt, wenn alle Menschen geimpft seien. Solange Infektionen in großem Ausmaß aufträten, mutiere das Virus, sagte Merkel. Dadurch könne die Wirksamkeit der Impfstoffe immer wieder geschwächt werden. "Das gilt es zu verhindern."

Merkel offen auch für Impf-Initiative Macrons

Merkel zeigte sich offen für eine Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, dass die Industrieländer ärmeren Staaten Impfdosen aus ihren Lieferungen abgeben sollten. Damit soll den Ländern bereits geholfen werden, während die Verträge für Lieferungen der einzelnen Firmen noch verhandelt würden. Es sei wichtig, dass nicht nur Geld ankomme, sondern wirklich Impfstoff, sagte die Kanzlerin. Deshalb werde aber in Deutschland kein Impftermin "in Gefahr geraten", das wolle sie gleich dazu sagen, "ehe darüber eine Diskussion ausbricht", so Merkel. Macron hatte einen Anteil von vier bis fünf Prozent der Impfdosen vorgeschlagen. Merkel sagte, über Prozente sei noch nicht gesprochen worden. Auch der genaue Zeitpunkt stehe noch nicht fest.

Mit Blick auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Pandemie sagte Merkel, man müsse "die Dinge besser machen, das heißt nachhaltiger". Dafür müsse man nicht nur Antworten auf die Pandemie finden, sondern auch auf die Herausforderungen des Klimawandels und für den Erhalt der Artenvielfalt. Neben der WHO müsse auch die Welthandelsorganisation WTO gestärkt und "schrittweise wieder handlungsfähig gemacht werden". Im G7-Rahmen wolle man sich zudem über den Umgang mit nicht marktwirtschaftlich orientierten Ökonomien wie China austauschen, kündigte Merkel an.

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