G-20-Gipfel:Wiedersehen macht Freude

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Foto IPP/POOL/Fabio Cimaglia Roma 30/10/2021 Riunione del G20 al Centro Congressi La Nuvola Nella foto: Joko Widodo, Ma

Familienfoto mit Symbolcharakter: Neben Kanzlerin Merkel und den anderen Staats- und Regierungschefs durften auch Menschen mit aufs Bild, die im Kampf gegen das Virus an vorderster Front standen.

(Foto: imago images/Italy Photo Press)

Das erste physische Treffen nach der Ära Trump und dem Beginn der Pandemie sorgt bei den G-20-Teilnehmern für gute Stimmung. Doch noch bleiben eine Reihe inhaltlicher Probleme ungelöst.

Von Cerstin Gammelin, Rom

Man weiß nicht, wie Angela Merkel den Mann vorgestellt hat, der sie am Samstag beim G-20-Gipfel in Rom auf ihren Vier-Augen-Gesprächen begleitet hat. Vielleicht hat die amtierende Kanzlerin gesagt, das ist Olaf Scholz, mein Finanzminister. Oder: mein möglicher Nachfolger. Jedenfalls war der SPD-Kanzlerkandidat am Samstag überall dort dabei, wo die Kanzlerin sonst auf internationalen Treffen alleine hingegangen ist, selbst Joe Biden, der US-Präsident, hat den Hinweis bekommen: mit dem Mann neben mir könntest du es demnächst zu tun bekommen.

Jenseits der Aufmerksamkeit für das deutsche Regierungsduo war der erste Tag des zweitägigen Gipfeltreffens der G-20 geprägt von viel Freude, sich erstmals nach Ausbruch der Pandemie und erstmals nach dem Ende der Trump-Ära wieder treffen zu können. Da ging es den Staats- und Regierungschefs nicht anders als Kollegen, die sich freuen, mal wieder ins Büro oder die Werkhalle gehen zu können. Jede Menge persönliche Gespräche, viel Lob für die italienischen Gastgeber, die das Kongress-Zentrum coronagerecht umgebaut hatten - blickdichte Stellwände, nach oben offen, boten Rückzugsraum mit Belüftung. Es sei "alles wunderbar organisiert", bedankte sich Merkel bei den Gastgebern. "Wir freuen uns, dass wir zum großen Teil wieder physisch hier sein können". Es sei bewegend gewesen, dass beim Familienphoto nicht nur die Chefs gewesen seien, "sondern auch Ärzte, Pfleger, Rettungssanitäter, die eine so wichtige Rolle in der Pandemie gespielt haben und leider auch noch spielen müssen, die alles geben, um Menschenleben zu retten."

So groß die Freude übers Wiedersehen war, so gedämpft war sie über die Ergebnisse. Am Samstagabend gab es noch immer zahlreiche eckige Klammern in der Abschlusserklärung, die Uneinigkeit symbolisieren: Corona und weltweite Impfstoffverteilung, Inflation und Energiepreise, Klimaschutz. Gestritten wird auch darüber, Subventionen für fossile Energien abzubauen. Die G-20 hatten sich allerdings schon 2009 zur mittelfristigen Beendigung der Subventionen bekannt, sich aber seither nie auf ein Zieldatum einigen können. Stattdessen subventionieren die G-20-Staaten weiter umweltschädliche Kohle-, Gas- und Ölprojekte.

Diplomaten dämpften noch am Samstag die Erwartung an ein starkes Signal für die am Sonntag im schottischen Glasgow beginnende Weltklimakonferenz. Es sei schon ein Fortschritt, wenn nach dem Ende der Trump-Administration wieder Klimaschutz auf der Agenda stehe. US-Präsident Biden hatte mit dem Beschluss eines ambitionierten US-Klimaschutzprogramms anreisen wollen; die Abstimmung darüber war in Washington jedoch verschoben worden.

Kundgebung östlich des Kolosseums

Die amtierende Bundeskanzlerin war erst am Samstag nach Rom gekommen, unmittelbar zu Beginn des Gipfeltreffens. Sie lobte die auf dem Gipfel beschlossene globale Mindeststeuer als "klares Gerechtigkeitssignal". Sie forderte Fortschritte bei der Reform der Welthandelsorganisation und bei der Erholung der Wirtschaft nach der Pandemie. Man sehe, "wie sensibel die verschiedenen Faktoren in der Weltwirtschaft zusammen greifen", das zeigten die Energiepreise und die teilweise gestörten Lieferketten. Bis Ende 2022 sollten 70 Prozent der Weltbevölkerung geimpft werden, ab nächstem Jahr werde auch in Afrika Impfstoff hergestellt.

Am Samstagnachmittag war es wegen zahlreicher Demonstrationen laut geworden in Rom. Zwei Hubschrauber kreisten über dem Stadtzentrum, unten auf den Straßen zogen Tausende Menschen aus dem Süden ins Zentrum, unter anderem Klima-Aktivisten und linke Gruppen. Fast zeitgleich hatte die Kommunistische Partei eine Kundgebung östlich des Kolosseums gegen die Regierung von Premier Mario Draghi organisiert. Bereits am Vormittag hatten einige Dutzend Klimaaktivisten eine Straße blockiert, die in Richtung des Veranstaltungsortes im Süden Roms führt. Fast 5300 zusätzliche Sicherheitskräfte waren in der Stadt. Das Militär sicherte mit etwa 2000 Soldaten wichtige Orte wie Bahnhöfe, Botschaften und Ministerien.

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