G-20:Bidens Einsicht: "Tollpatschig"

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G-20: Versöhnlich: US-Präsident Joe Biden und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron.

Versöhnlich: US-Präsident Joe Biden und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron.

(Foto: BRENDAN SMIALOWSKI/AFP)

Bei einem Treffen am Rand des G-20-Gipfels in Rom demonstrieren Joe Biden und Emmanuel Macron neue Harmonie nach der U-Boot-Affäre. Der US-Präsident gebraucht eigentümliche Worte, und sein französischer Kollege denkt schon an die nächsten Wahlen.

Von Oliver Meiler, Rom

Es wurde viel geherzt, Hände geschüttelt, Arme getätschelt in der Villa Bonaparte, dem Sitz der französischen Botschaft am Heiligen Stuhl. Und das war an sich schon ungewöhnlich. Am Rande des ersten großen Gipfels in Präsenz seit Beginn der Pandemie vor bald zwei Jahren, dem G-20-Gipfel in Rom, haben US-Präsident Joe Biden und sein französischer Kollege Emmanuel Macron die wiedergewonnene körperliche Nähe für eine symbolische Demonstration ihrer politischen Nähe genutzt. Zuletzt hatte ein diplomatischer Streit die Beziehungen der beiden Länder belastet. Schon der Umstand, dass Biden für das Treffen eine Einladung in die französische Botschaft akzeptiert hatte, war ein Zeichen der Zuversicht.

Entzündet hatte sich der Streit Mitte September, als Paris erfuhr, dass Washington angeblich hinter dem Rücken der Franzosen mit den Briten und den Australiern eine Sicherheitsallianz für den indopazifischen Raum geschlossen hatte. Das führte dazu, dass Australien einen Rüstungsdeal über den Kauf von zwölf französischen U-Booten aufkündigte und stattdessen einen Deal mit den USA und Großbritannien schloss.

Paris beklagte einen "Dolchstoß in den Rücken"

Die diplomatische Aufregung war groß. Daran änderte auch nichts, dass die Australier anmerkten, sie hätten ihre Unzufriedenheit über Verspätung und Verteuerung der Lieferung oft genug kundgetan. Außerdem seien ihnen aus ökologischen Gründen nuklear betriebene U-Boote, wie sie Briten und Amerikaner anboten, immer schon lieber gewesen als das französische Modell, das von Diesel angetrieben wird. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sprach von einem "Dolchstoß in den Rücken" und meinte damit die Amerikaner. So etwas habe er vielleicht Donald Trump zugetraut, nicht aber dessen Nachfolger.

Jetzt sagte Joe Biden, die USA hätten sich in dieser Angelegenheit "clumsy" verhalten, also tollpatschig. Er selber sei überzeugt gewesen, dass die Franzosen schon längst informiert gewesen seien über die neue Sachlage. Auch das hörte sich ein bisschen tollpatschig an, wie eine halb ausgegorene Entschuldigung. Biden räumte damit ein, dass die interne Kommunikation im Weißen Haus alles andere als verlässlich ist. Oder war es nur eine Ausrede? Macron schien sich damit aber zufrieden zu geben. "Wirklich wichtig ist", sagte er, "was wir nun in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren miteinander unternehmen."

Macron und Biden hatten in den vergangenen Wochen bereits zweimal miteinander telefoniert. Und Außenminister Antony Blinken schaute schon in Paris vorbei. Doch das persönliche Treffen der Präsidenten war beiden wichtig, schließlich sind Frankreich und die USA alte Alliierte. Und Macron steht vor Wahlen. Es wird nun erwartet, dass Washington und Paris in näherer Zukunft ihre vielen gemeinsamen Interessen betonen werden und sie zu einer engen Kooperation ausbauen. Die Schmach sitzt dennoch tief. Für Frankreich und seine Rüstungsindustrie bedeutet das geplatzte Abkommen nicht nur einen Verlust von acht Milliarden Euro: Besorgt ist man auch, dass der eigene Einfluss in der geopolitisch so wichtigen pazifischen Weltgegend schwindet.

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