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G-20-Gipfel:Merkel ruft zu "globaler Kraftanstrengung" gegen Corona auf

German Chancellor Merkel takes part in a video conference during the G20 Leaders' Summit 2020

Angela Merkel während der Videoschalte zum G20-Gipfel.

(Foto: Reuters)

Die Kanzlerin mahnt beim virtuellen G-20-Gipfel eine engere Zusammenarbeit bei der Verteilung eines Impfstoffes an. Während die EU, China und Russland auch für die Unterstützung der Ärmsten werben, geht Trump zum Golfen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat beim G-20-Gipfel der führenden Wirtschaftsnationen für die Unterstützung der internationalen Impfstoff-Initiative Covax und eine Stärkung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Kampf gegen Corona geworben. "Wenn wir weltweit zusammenstehen, können wir das Virus und seine Folgen beherrschen und überwinden. Dafür lohnt sich auch mehr Anstrengung", sagte die CDU-Politikerin in einer vorab aufgezeichneten Videobotschaft. Eine globale Herausforderung wie die Corona-Pandemie könne "nur mit einer globalen Kraftanstrengung überwunden werden", sagte Merkel.

Merkel war am Samstag im Kanzleramt in Berlin gemeinsam mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) zu den Beratungen geschaltet. Dabei komme der G-20 eine besondere Verantwortung zu, sagte sie. Die Äußerungen Merkels konnten auch als Spitze gegen US-Präsident Donald Trump verstanden werden, der eine protektionistische Politik des "Amerika zuerst" vertritt und internationalen Organisationen ablehnend gegenübersteht.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte vor allem eine stärkere finanzielle Unterstützung der globalen Initiative zur Bewältigung der Pandemie. Von der Leyen rief in der Videoschalte mit den Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten dazu auf, bis Jahresende weitere 4,5 Milliarden US-Dollar (3,8 Milliarden Euro) für die Koordinationsplattform ACT Accelerator bereitzustellen. Es gehe darum, weltweit Corona-Tests, Behandlungen und Impfungen zu ermöglichen: "Wir müssen globale Solidarität zeigen."

Von der Leyen wies zudem darauf hin, dass sie im kommenden Jahr mit dem italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte einen Weltgesundheitsgipfel organisieren wolle. Er werde Teil der italienischen G-20-Präsidentschaft sein. "Wir werden die Lehren aus der Krise diskutieren, um die Menschheit künftig besser vor Pandemien zu schützen", erklärte von der Leyen.

Sorge um Salman

Der Gipfel hatte mit einem Appell des saudischen Königs Salman für eine gemeinsame Bekämpfung der Corona-Pandemie begonnen. Die Staatengemeinschaft müsse darauf achten, dass der Impfstoff gleichmäßig verteilt werde und auch für Entwicklungsländer erschwinglich sei, sagte Salman als Gastgeber des virtuellen Treffens der Staats- und Regierungschefs aus den wichtigsten Industrie- und Schwellenstaaten.

Der 84-Jährige hatte allerdings große Mühe, seine rund zehnminütige Eröffnungserklärung vorzutragen. Den vorgefertigten Text las er nuschelnd ab. Mehrfach musste er neu ansetzen und sich räuspern. Der Monarch hatte schon vor drei Jahren viele Kompetenzen auf seinen Sohn Mohammed bin Salman übertragen. Der 35 Jahre alte Kronprinz gilt bereits als eigentlicher Herrscher des Königreichs. Beobachter gehen davon aus, dass er nach Salmans Tod den Thron besteigen wird. Dann wäre erstmals ein Enkel des Staatsgründers König.

Die G-20-Staaten wollen am Samstag und Sonntag über Corona und den globalen Wirtschaftseinbruch sowie den Klimawandel diskutieren. In Auszügen eines Entwurfs für die Abschlusserklärung heißt es, die Gruppe werde alles ihr Mögliche tun, um die Pandemie einzudämmen und Leben, Jobs und Einkommen zu schützen. Zugleich warnen die 20 Industrie- und Schwellenländer, dass die globale wirtschaftliche Erholung "unausgeglichen, höchst unsicher" bleibe und mit "erhöhten Abwärtsrisiken" behaftet sei. Einige ärmere Länder bräuchten womöglich weiterreichende Schuldenerleichterungen. Die Pandemie treffe die Schwächsten in der Gesellschaft am härtesten. An den Beratungen nehmen auch die Präsidenten internationaler Organisationen wie des Internationalen Währungsfonds (IWF) oder der Weltbank teil.

Putin: Impfstoff "Sputnik V" auch für andere Länder

Im Kampf gegen die Pandemie will der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping die Kooperation Chinas mit anderen Ländern bei der Forschung, Entwicklung, Produktion und Verteilung von Impfstoffen gegen das Coronavirus verstärken. China wolle Entwicklungsländer unterstützen, indem Impfstoffe als "öffentliches Gut" zugänglich und erschwinglich werden. Zudem müsse die WHO gestärkt werden.

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