G-20-Gipfel "Ich hab einen Stiefel am Kopf gespürt, dann haben sie mich rausgetragen"

Der Polizeieinsatz gegen das G-20-Protestcamp auf Entenwerder frustriert die jungen Campteilnehmer. Aber vor allem zeigt er, wie ernst es der Stadt Hamburg mit den Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gipfel ist.

Von Dominik Fürst, Hamburg

Am Morgen nach der Eskalation sitzen etwa 40 junge Menschen im Elbpark Entenwerder im Kreis und überlegen, wie es weitergehen soll. Müde sehen sie aus, vermutlich haben sie nicht viel geschlafen. Die 40 Leute sind der Rest des gegen den G-20-Gipfel gerichteten Protestcamps, das die Hamburger Polizei in der Nacht gewaltsam geräumt hat, weil sie zwar die Zusammenkunft der G-20-Gegner auf Entenwerder duldet, aber nicht, dass diese dort auch schlafen. Versammlungsfreiheit ja, aber ohne Übernachtung.

Florian, 22, ist einer der Camper, die den Polizeieinsatz miterlebt haben. Die Sache sei "sehr gewalttätig abgelaufen", sagt er. Am späten Abend rückte demnach ein großer Trupp Polizisten an und umstellte die Protestcamp-Wiese, auf der sich Hunderte Menschen versammelt hatten. Mit drei Lautsprecherdurchsagen hätten die Beamten die Camper aufgefordert, ihre Zelte abzubauen. Jedes Mal hätten diese geantwortet, dass es ihr gutes Recht sei, hier zu übernachten. Dann rückten die behelmten Polizisten vor und zogen die Leute aus ihren Zelten.

"Es herrschte eine sehr aggressive Atmosphäre", sagt Florian, der, wenn der Eindruck nicht täuscht, aggressiven Stimmungen eher wenig abgewinnen kann. "Ich hab einen Stiefel am Kopf gespürt, dann haben sie mich rausgetragen." Die Polizisten setzten Pfefferspray ein. Ein älterer Campteilnehmer habe eine Panikattacke erlitten. Etwa eineinhalb Stunden hat alles gedauert, dann ist die Polizei wieder abgerückt - mit elf Schlafzelten und einem Gefangenen. Die fünf, sechs großen Pavillons durften stehen bleiben. Es gab mehrere Verletzte.

G-20-Gipfel Polizei hindert G-20-Gegner an Übernachtung im Camp
Proteste

Polizei hindert G-20-Gegner an Übernachtung im Camp

Auf der Elbhalbinsel Entenwerder wollten Demonstranten Zelte aufschlagen, Einsatzkräfte gingen dagegen vor. Aktivisten wittern einen "Rechtsbruch", die Polizei sieht sich vom Hamburger Verwaltungsgericht bestätigt.

Die verbliebenen Camper sind am nächsten Morgen frustriert: "Man fragt sich schon, wozu man sich überhaupt noch auf etwas beziehen soll, wenn es eh für die Katz ist", sagt Lina, 28, und betet noch einmal die Gerichtsurteile herunter, die zu dem Camp auf Entenwerder geführt haben. Der ursprüngliche Plan der G-20-Gegner sah mal ein riesiges Camp im Hamburger Stadtpark mit 10 000 Teilnehmern vor. Das verbot die Stadt, doch das Bundesverfassungsgericht urteilte in einem Eilverfahren, Hamburg müsse den Protestierenden eine Versammlungsfläche zur Verfügung stellen.

Aus dem Stadtpark wurde nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts vom Samstagabend schließlich die Elbhalbinsel Entenwerder. Unklar blieb eben nur, ob die Protestierenden dort auch übernachten dürfen. Am Sonntag folgte ein Hin und Her zwischen Polizei und Campern, Kompromissangebote wurden ausgeschlagen, die Polizisten wollten das Übernachten in den Zelten um jeden Preis verhindern. Am Montagmorgen durften sie sich bestätigt fühlen. Einen Eilantrag, den die Camper am Abend gestellt hatten, lehnte das Verwaltungsgericht ab. "VG Hamburg bestätigt Linie der Versammlungsbehörde: Kein Übernachtungscamp. Eilantrag der Camper heute Nacht abgelehnt", triumphierte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) am Montagvormittag auf Twitter.