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G-8-Treffen in Deauville:Sarkozy bittet Niger und Guinea an den Tisch

Im Einzelnen bestehen zwischen den acht aber Gegensätze. Russland fürchtet, der Westen wolle seinen Einfluss auf die arabische Welt vergrößern. Deutschland beteiligt sich nicht am Militäreinsatz gegen Libyen. Obama fordert mehr Engagement im Krieg gegen Muammar al-Gaddafi. Schwierig wird zudem der Fall Syrien. Das Assad-Regime ist ein Verbündeter Russlands. Der Westen möchte es mit Sanktionen zum Einlenken zwingen. Und dann wartet noch das Dossier Nahost. Die G8 werden sich gewiss nicht darauf einigen, dass die Vereinten Nationen einen eigenen Palästinenserstaat anerkennen sollen.

Etwas einfacher könnte womöglich das Thema "Afrika südlich der Sahara" werden, auch wenn dort wieder Kriege und Krisen lauern. Die G 8 sehen sich seit langem in der Pflicht, sich für die Entwicklung des Kontinents zu engagieren. Am zweiten Gipfeltag werden daher die sechs Staaten der Nepad teilnehmen, der "Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung". Außerdem bittet Sarkozy die frisch gewählten Präsidenten der Elfenbeinküste, des Niger und Guineas an den Tisch, um die demokratische Entwicklung in diesen Staaten zu preisen.

Die Liebe zur Außenwelt geht jedoch nicht so weit, dass die Europäer einen außereuropäischen Ökonomen an der Spitze des Weltwährungsfonds sehen wollten. Sie möchten vielmehr die französische Finanzministerin Christine Lagarde zur Nachfolgerin Strauss-Kahns machen. Das Thema steht offiziell gar nicht auf der Tagesordnung in Deauville. Dafür werden es die Europäer inoffiziell umso intensiver mit den Kollegen aus Russland, China und Japan diskutieren.

Dann ist da noch die Atomkatastrophe von Japan, welche die G 8 gleich beim Auftaktessen umtreiben dürfte. Sie müssen sich über die Lehren aus Fukushima verständigen. Frankreich fordert international einheitliche, enge Sicherheitsnormen. Der Élysée-Palast räumt aber ein, es gebe "Meinungsunterschiede" über die künftige Nutzung der Kernenergie. Angela Merkel wird ihren Kollegen den neuen deutschen Anti-Atomkraft-Kurs erläutern müssen. Der Japaner Naoto Kan wird erklären, sein Land wolle die Atompolitik überdenken. Sarkozy dagegen will nun erst recht die französische Nuklearindustrie stärken.

Die G 8 würden auch in G-20-Zeiten weiter gebraucht, sagen die Franzosen. Sie bildeten eine Wertegemeinschaft, hätten ähnliche Probleme und Lösungsvorschläge. Mancher westliche Diplomat fragt sich jedoch, ob man wirklich so viele Werte mit Russland teile. Auch hätten sich die G 8 untereinander offenbar nur noch so wenig zu sagen, dass sie in Deauville schon nach wenigen Stunden die Araber und Afrikaner hinzuzögen.

Trotz der riesigen, hoch aktuellen Agenda bleiben also Zweifel. Sogar der Élysée gibt sich ungewohnt bescheiden. Sarkozys Sonderberater Henri Guaino gesteht ein: "Wir werden beim G-8-Gipfel die Welt nicht neu erschaffen."

© SZ vom 26.05.2011/dmo
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