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G-7-Gipfel:Reform ohne Trump

Der US-Präsident will das G-7-Treffen als Wahlkampf-Inszenierung.

Die G-7-Treffen gibt es seit mehr als 40 Jahren in fast unveränderter Zusammensetzung. Damals repräsentierten die sieben Staaten mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung. Das ist heute nicht mehr so, ökonomische Großmächte wie China oder Südkorea sind nicht vertreten. Zwischen 1998 und 2014 war Russland in der G 8; wegen der Annexion der Krim wurde Moskau ausgeschlossen. Es gibt durchaus gute Gründe, über eine Reform der G 7 nachzudenken.

Der US-Präsident aber möchte den nächsten Gipfel aus zwei schlechten Gründen anders haben. Zum einen will er gemeinsam mit den alten G-7-Ländern sowie vier Neuen, darunter Russland und Indien, im Herbst einen Anti-China-Gipfel veranstalten. Zum Zweiten soll der zwei Monate vor der Wahl in den USA stattfinden. Trump möchte seinen Wählern demonstrieren, dass er auch der Präsident der ganzen Welt ist.

Natürlich hat er diese Pläne mit niemandem abgestimmt. Und sie sind wieder einmal von einer bestürzenden Naivität. Weder möchte das sehr statusbewusste Russland gemeinsam mit Australien zu so etwas eingeladen werden, noch wollen London oder Berlin die Rehabilitation Moskaus durch Trumps Hintertür. Eine Reform der G 7 tut not, am besten aber sollte das geschehen, wenn Trump nicht mehr Präsident ist.

© SZ vom 02.06.2020

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