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Handelsstreit:Waffenstillstand zwischen den größten Volkswirtschaften

G20-Gipfel in Argentinien - Trump und Jinping

US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping: Gut gelaunt nach Steak, argentinischem Rotwein und einer Einigung.

(Foto: dpa)
  • Die USA und China haben einen "Waffenstillstand" in ihrem monatelangen Handelskrieg vereinbart. Neue Verhandlungen werden aufgenommen, um eine Lösung zu finden.
  • US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping einigten sich bei einem Abendessen im Anschluss an den G20-Gipfel in Buenos Aires.
  • Das Weiße Haus sprach von einer 90-tägigen Frist, die Chinas Regierung aber nicht erwähnte.

Als die Peak Pegasus am 8. Juni in Seattle in See stach, war der Frachter bloß eines von Tausenden Schiffen, die jeden Tag auf den Weltmeeren verkehren - die Boten der Globalisierung, deren Namen niemand kennt. 70 000 Tonnen Sojabohnen hatte die Peak Pegasus geladen. Ihr Reiseziel: die nordostchinesische Hafenstadt Dalian auf der anderen Seite des Pazifiks. Einen Monat dauert diese Passage.

Als am 6. Juli die USA und China neue Strafzölle erließen, konnte die Besatzung schon die Küstenlinie sehen - zu spät. 25 Prozent Preisaufschlag waren nun für Sojabohnen fällig. Die Reederei setzte auf Hoffnung und ließ das Schiff im Gelben Meer kreisen, bald war die Peak Pegasus Gesprächsthema in Chinas sozialen Netzwerken. Jede Schleife wurde eifrig verfolgt und kommentiert, aus dem anonymen Schiff wurde so das Symbol des sich zuspitzenden Handelsstreits zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Erde.

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Dieser Zwist könnte sich nun abkühlen. Als die meisten Staats- und Regierungschefs längst abgereist waren, zogen sich US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping nach dem G-20-Gipfel mit ihren Beratern zum Abendessen in ein Luxushotel in Buenos Aires zurück. Bei Steak und argentinischem Rotwein kamen sich beide Seiten näher und einigten sich nach zweieinhalb Stunden auf eine Art Waffenstillstand. Keine neuen Abgaben für niemand.

Seit dem Frühjahr hatten sich die beiden Staaten gegenseitig mit Strafzöllen überzogen. Kaum legte Washington vor, konterte Peking. Erst drei, dann 34 und dann noch einmal 16 Milliarden Dollar. Hüben wie drüben. Im September verhängte Trump weitere Abgaben auf chinesische Waren, diesmal im Wert von 200 Milliarden. Da konnte Peking rein mathematisch nicht mehr mithalten. China importierte zuletzt Waren für etwa 130 Milliarden Dollar aus den Vereinigten Staaten. Chinas Reaktion: 60 Milliarden Dollar neue Zölle. Seitdem sind beinahe alle amerikanischen Einfuhren mit Abgaben belegt. Kommenden Monat wollten die USA dann wieder nachziehen. In den vergangenen Wochen hatte Trump angedroht, weitere Importe im Wert von 256 Milliarden Dollar mit Sonderzöllen belegen zu wollen, wenn China nicht ausreichend entgegenkommt.

Nun klang er deutlich moderater: "Es war ein erstaunliches und produktives Treffen mit unbegrenzten Möglichkeiten sowohl für die USA als auch China", sagte Trump. Nach Angaben des Weißen Hauses ist der Burgfrieden mit einer Frist verknüpft, in der China weitere Konzessionen machen muss. Beide Seiten wollen Trumps Sprecherin Sarah Sanders zufolge versuchen, ihre Differenzen innerhalb von 90 Tagen zu beseitigen. Wenn bis dahin keine Einigung erzielt werden könne, würden die USA ihre Pläne für eine Erhöhung der Abgaben auf Importe aus China umsetzen. China habe sich im Gegenzug bereit erklärt, eine nicht näher vereinbarte, "aber sehr bedeutende Menge" an Produkten aus der Landwirtschaft, dem Energie- und Industriesektor sowie anderen Wirtschaftszweigen aus den USA zu importieren, berichtete Sanders. So soll offenbar das große amerikanische Handelsdefizit zu China verringert werden.

Die Handelslücke ist aber nur eines der beiden Probleme, die Peking und Washington miteinander haben. Das zweite heißt: "Made in China 2025". Ein groß angelegter Staatsplan für eine ganz neue Industrie. Zehn Branchen haben sich die Wirtschaftsplaner herausgesucht: Autos und Züge, den Flugzeugbau, die digitalisierte Produktion oder die Pharmaindustrie - überall soll die Volksrepublik bald führend sein. An Geld fehlt es dafür nicht: Der Staat hilft mit Forschungsförderung; Entwicklungsbanken und extra eingerichtete Fonds versorgen die ausgewählten Branchen mit günstigen Krediten - das hilft vor allem beim Kauf von ausländischen Konkurrenten. Ziemlich unfairer Wettbewerb, wie man in Washington findet, genauso übrigens in Brüssel und Berlin.

"Sehr positive und konstruktive" Gespräche

Darum geht es in den kommenden 90 Tagen. Die neuen Verhandlungen sollen sich mit "strukturellen Veränderungen" hinsichtlich zwangsweisem Technologietransfer, Urheberrechtsschutz, Marktbarrieren, Cyber-Attacken, Dienstleistungen und Landwirtschaft beschäftigen, erklärte Trump-Sprecherin Sanders.

Chinas Außenminister Wang Yi bestätigte die Vereinbarung, erwähnte aber die Frist von 90 Tagen nicht. Ziel der Verhandlungen sei es, alle verhängten Sonderabgaben zu beseitigen. Wang sprach von einer "wichtigen gemeinsamen Übereinkunft" und "sehr positiven und konstruktiven" Gesprächen.

Für die Peak Pegasus kommt die amerikanisch-chinesische Annäherung allerdings ein wenig zu spät. Mitte August gaben ihre Betreiber auf und ließen die Ladung teuer löschen: Gut Sechs Millionen Dollar Zoll fielen für die Sojabohnen an. Dazu rund 400 000 Dollar Mehrkosten für das wochenlange Kreisen auf hoher See.

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