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G-20-Gipfel:Hamburg wird zeigen, nach welchen Regeln die Welt spielen will

G20 Summit in Hamburg

Kanzlerin Merkel begrüßte US-Präsident Trump zum Auftakt des G-20-Gipfels in Hamburg.

(Foto: Getty Images)

Beim G-20-Treffen prallen Liberale wie Kanzlerin Merkel auf Nationalpopulisten à la Trump. Die Probleme des Planeten werden sie nicht lösen. Den Gipfel abzulehnen, ist dennoch grundfalsch.

Zweitausendsechzehn war ein Epochenjahr, das kann man heute schon zweifelsfrei feststellen. Die britische Entscheidung zum Austritt aus der EU, der Putschversuch in der Türkei mit all seinen Folgen und vor allem die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten weisen auf eine Zäsur hin. Alle Ereignisse stehen für den Abschied von einer alten Ordnung, für das Ende einer politischen Haltung, für eine neue Vorstellung von globaler Politik.

2016 war das Jahr, in dem der Wettstreit zweier Ordnungsmodelle offen zutage trat: hier die liberale, offene, auf Recht und Konsens ausgerichtete Gesellschaft und Staatenordnung; da die autoritäre, populistisch ideologisierte Gesellschaft, die das Staatengeschäft als harte Auseinandersetzung sieht - als Überlebenskampf gar, wie Trump nun sagte.

Niemand verkörpert diese Zäsur so sehr wie Trump. Die Entscheidung der Amerikaner zugunsten dieses Mannes führte zu einem gravierenden Bruch in der politischen Nachkriegstradition der USA. Der neue Isolationismus und mehr noch der Umgangston haben die Gewichte in der Welt verschoben. Die USA führen nicht mehr die freie und offene Welt an, sie arbeiten gegen sie.

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Ein halbes Jahr nach Trumps Amtsantritt kann die neue Zeit nun vermessen werden: auf dem Gipfel in Hamburg. Erstaunlicherweise gibt es immer wieder die Debatte, ob solche Treffen tatsächlich nötig und zeitgemäß sind. Sie brächten ja nichts, heißt es. Was für ein ahistorisches Urteil. Gäbe es die G 20 nicht, man müsste sie geradezu erfinden. Wer immer für den geordneten Umgang von Staaten in einer ungeordneten Welt ist, wer an die Kraft des Gesprächs und an den Kompromiss glaubt, der braucht einen solchen Gipfel.

G 20 ist kein Roter-Teppich-Event in einer Messehalle, G 20 ist ein Prozess. Wer sich auf ihn einlässt, der hält sich - im Idealfall - an Regeln, Abmachungen, Pläne, der stimmt einer Agenda zu, der glaubt an die Kraft der Gruppe. Wie weit der Wille der Gruppe reicht, ist zu Recht umstritten. In einer Zeit, in der die Globalisierung vielen bedrohlich erscheint und die Kluft zwischen Reichen und Armen auch die Wohlstandsgesellschaften durchzieht, wächst die Ungeduld mit dieser Form von Gipfel-Diplomatie. Was aber soll die Alternative sein?

Wer an die zähmende Kraft von Regeln und Recht glaubt, dem muss auch nur ein Fünkchen Gipfelhoffnung wichtiger sein als die defätistische Ablehnung dieser Großveranstaltung. Himmel und Hölle liegen in der internationalen Politik ohnehin schon viel zu nahe beieinander.