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Fußball:Verkauft Berlusconi den AC Mailand an Gaddafi?

Zu hohe Schulden: Berlusconi will seinen Profiklub AC Mailand nun angeblich an Libyen abtreten - weiterer Beleg einer neuen Freundschaft.

Er braucht offenbar Geld, und da ist ihm nichts heilig, was ihm einmal Ruhm brachte: Italiens Premier und Medienmogul Silvio Berlusconi denkt offenbar an einen Verkauf seines Fußballklubs AC Mailand. Der Verein war einmal Sieger der Champions League, doch nun herrschen andere Vorzeichen.

Die römische Tageszeitung La Repubblica schreibt, der milliardenschwere Milan-Boss habe sogar einen besonderen Käufer im Blick: den libyschen Staatschef Muammar el Gaddafi. Angeblich soll er Berlusconi angeboten haben, den Serie-A-Klub zu übernehmen. Schrittweise, wohlgemerkt.

Der starke Mann von Tripolis ist mit der libyschen Zentralbank und der libyschen Investmentbehörde bereits Aktionär bei dem italienischen Rekordmeister Juventus Turin. Fußball ist für geltungssüchtige Machthaber und Öl-Produzenten nun einmal ein besonderes Feld. Der Wert des AC Milan wird auf 600 bis 800 Millionen Euro geschätzt.

Die hohe Verschuldung des Vereins und die Erfolgsflaute zwinge Berlusconi zum Verkauf, schrieb das Blatt weiter. Mit dem Angebot an Gaddafi beuge er sich auch dem Druck seiner Kinder Marina und Pier Silvio. Die beiden Kinder verwalten das Firmenimperium des Vaters und drängen ihn bereits seit vergangenem Sommer, den Fußballverein zu verkaufen. Außerdem soll ihr Interesse an den Klub in Schwarz-Rot nicht allzu groß sein.

Um die Schulden einzudämmen, hatte der Ministerpräsident im Sommer bereits den brasilianischen Star Kaká für 67 Millionen Euro an Real Madrid verkauft.

Erst im Juni hatte Berlusconi bei einem Besuch von Gaddafi in Rom öffentlich Freundschaft zelebriert. Der Potentat aus Tripolis trat in schmucker bunter Uniform mit großer Sonnebrille auf. Erst im Herbst 2008 hatten Italien und Libyen mit dem Erbe der Kolonialzeit aufgeräumt; zwischen 1911 und 1942 waren Zehntausende Libyer umgekommen. Berlusconis Staat gewährte fünf Milliarden Euro Entschädigung - und hatte die Gewissheit, dass Gaddafis Leute all jene Boat-People wieder aufnehmen, die die italienischen Grenzpatrouillen im Mittelmeer auffischen.

Libyens Interesse an Fußball sichert die neu erwachte Freundschaft der beiden Länder ab. Schließlich ist ja sogar ein Gaddafi-Sohn in der Vergangenheit als Profikicker aufgefallen.

© sueddeutsche.de/odg/cag

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