Süddeutsche Zeitung

Fußball-EM:"Friede! Glückwunsch, Deutschland"

Fußball ist ein Stück Heimat: Als Jonas Hector Deutschland ins Halbfinale der Fußball-EM schießt, brandet im Neubiberger Flüchtlingsheim großer Jubel auf.

Von Martin Anetzberger

Das Handy-Selfie-Video ist leicht unscharf. Dennoch ist deutlich zu erkennen: Im Hintergrund hängt ein Fernseher an der Wand. Ein Spieler im weißen Trikot tritt gerade zum Elfmeter an. Es ist Jonas Hector im EM-Viertelfinale Deutschland gegen Italien. Gebannt blicken gut zwei Dutzend Menschen auf den Screen - Hector läuft an und trifft, die deutschen Fußballer stehen im Halbfinale.

Alle Menschen in Deutschland jubeln. Wirklich alle? Nein, die vielen Italiener, deren Vorfahren einst nach Deutschland einwanderten, waren mehrheitlich wohl traurig über das unglückliche Ausscheiden ihrer Mannschaft. Integriert sind sie in diesem Land dennoch bestens und haben es zu ihrer Heimat gemacht.

Die gut zwei Dutzend Menschen aus dem Handy-Video träumen davon wohl auch: von einem Leben ohne Armut, Krieg und Verfolgung. Sie sind Flüchtlinge, untergebracht in Neubiberg bei München. Als Hector das entscheidende Tor schießt, jubeln sie. Beinahe frenetisch. Sie freuen sich über den Sieg jenes Landes, das sie aufgenommen hat. Es ist ein lautes Signal dafür, dass sie sich hier vielleicht sogar schon ein wenig heimisch fühlen können - und wollen.

Ibrahim Dalo, der Mann der das Video gedreht und auf Facebook veröffentlicht hat, sagt am Ende des gut 20-sekündigen Clips: "Friede! Glückwunsch, Deutschland!"

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